Kategorien
Angiologie Genetik Interne Medizin Kardiologie Onkologie Wissenschaft

Wie man Blutgefäße in Schach hält

Blutgefäße sind in ihrem Inneren von einer hauchdünnen Zellschicht ausgekleidet: das Endothel.  Es stellt eine entscheidende Barriere zwischen Blut und umliegenden Gewebe dar und fördert den Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen, verhindert aber gleichzeitig den unkontrollierten Austritt von Blutbestandteilen. Nur bei erhöhtem Stoffwechselbedarf des Gewebes, etwa bei Wachstum, Wundheilung oder auch wenn ein Tumor entsteht, geben Endothelzellen diesen stabilen Zellverband auf, um sich zu teilen und neue Blutgefäße zu bilden. Die Signale, die dieses Aktivwerden auslösen, sind gut untersucht.

Wenig wusste man bisher darüber, wie Endothelzellen ihren stabilen Ruhezustand aufrechterhalten. Genau dies haben Wissenschaftler nun herausgefunden. Sie wussten auch schon, wo sie ansetzen mussten, am Faktor FOXO1, einem Stoffwechsel- Metabolit, der das Ablesen von Erbinformation in Zellen steuert. Wie genau er dabei vorgeht, wurde nun enträtselt. Nach Isolierung sämtlicher Stoffwechselprodukte aus den Zellen, fiel auf, dass vor allem die Konzentration von 2-Hydoxyglutarat durch FOXO1 anstieg, eine Substanz, die bereits in der Krebsmedizin große Bekanntheit erlangt hat.  Die ForscherInnen fanden allerdings heraus, dass es sich um eine besondere Form des 2-Hydroxyglutarat handelt: das S-2-Hydroxyglutarat. Nur diese Substanz war in der Lage Endothelzellen in der Quieszenz, also in Ruhestellung zu halten.

Vor dem Hintergrund, dass ein „Zuviel“ oder ein „Zuwenig“ von neuen Blutgefäßen bei vielen Krankheiten eine Rolle spielt, ist es wichtig, die grundlegenden Mechanismen dahinter besser zu verstehen, sie die Studienautoren. Langfristiges Ziel ist es, das Wachstum und die Funktion von Blutgefäßen gezielt und möglichst ohne Nebenwirkungen therapeutisch beeinflussen zu können.

Referenz:
Charité Berlin; MDC, Max-Planck Institut, Berlin; Cambridge University; Cold Spring Harbor Lab; CHUV, CH; IBS, Korea
Control of endothelial quiescence by FOXO-regulated metabolites, Nature Cell Biology 2021; https://www.nature.com/articles/s41556-021-00637-6

#endothel #blutgefaesse #regulation #wachstum #blut #angiologie #onkologie #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Allgemeinmedizin Diabetologie Interne Medizin Kardiologie Wissenschaft

Fisch für´s Herz

Eine Analyse mehrerer großer Studien mit Teilnehmern aus mehr als 60 Ländern hat ergeben, dass der regelmäßige Verzehr von fettem Fisch dazu beitragen kann, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Personen mit hohem Risiko, z. B. solchen, die bereits an Herzerkrankungen oder Schlaganfall leiden, vorzubeugen. In ihren ersten Untersuchungen zum Thema konnten die Wissenschaftler diesen Effekt nicht nachweisen. Im zweiten Versuch wurden nun nur Studien mit Patienten, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden bzw. als Hochrisikopatienten gelten, ausgewertet.

Im Ergebnis zeigte sich ein eindeutig positiver Effekt bei Herz-Kreislauf-Patienten, wenn diese 175 bis 350 g Fisch pro Woche verzehrten. Die Menge entspricht ungefähr zwei Fisch-Mahlzeiten wöchentlich, wobei die Risikoverminderung für ein weiteres Herz-Kreislauf-Ereignis mit 14% angegeben wird. Diabetiker scheinen der Studie zufolge besonders von fischreicher Kost zu profitieren. Dies belegen auch Daten aus Ländern, die traditionell mehr Fischgerichte verzehren.

Die Studienautoren betonen aber auch, dass Menschen mit geringem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Omega-3-reichem Fisch profitieren. Als wirksamste Inhaltsstoffe werden Omega-3-Fettsäuren angeführt, die vor allem in fettreichen Fischen enthalten sind. Zu diesen zählen Thunfisch, Lachs, Makrelen und Sardinen.

Referenz:
McMaster University, Hamilton/Kanada
Associations of Fish Consumption With Risk of Cardiovascular Disease and Mortality Among Individuals With or Without Vascular Disease From 58 Countries, JAMA Intern Med 2021; https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2777338

#fisch #herzkreislauf #rsikopatient #fischkonsum #herz #omegadrei #fischöl #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Diagnostik Epigenetik Genetik Molekulare Medizin Onkologie Wissenschaft

Deep Learning identifiziert 165 neue Krebsgene

Wenn Krebszellen außer Kontrolle geraten, sind in aller Regel DNA-Veränderungen in Krebsgenen daran schuld. Doch einige Krebsarten entstehen bereits bei nur sehr wenigen mutierten Genen. In diesen Fällen führen andere, wenig verstandene Ursachen zur Erkrankung.

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin und das Institut für Computational Biology des Helmholtz Zentrums München hat nun einen neuen Algorithmus entwickelt, der mit Hilfe von maschinellem Lernen 165 zuvor unbekannte Krebsgene identifizierte. Von diesen Genen sind längst nicht alle mutiert – die neu entdeckten Gene stehen jedoch alle in engem Austausch mit bereits bekannten Krebsgenen. Überdies sind sie überlebenswichtig für Tumorzellen, wie sich im Zellkulturexperiment herausstellte.

Das auf den Namen „EMOGI“ getaufte Programm kann auch erklären, welche zellulären Zusammenhänge jedes der identifizierten Gene zu einem Krebsgen machen. Dazu kombiniert das Programm zehntausende Datensätze aus Patientenproben. Diese enthalten neben Sequenzdaten mit Mutationen auch Informationen über DNA-Methylierungen, die Aktivität einzelner Gene und Interaktionen von Proteinen, die an zellulären Signalwegen beteiligt sind. Ein Deep-Learning-Algorithmus erkennt in diesen Daten die Muster und molekularen Gesetzmäßigkeiten, die zu Krebs führen. So wurden z. B. Gene identifiziert, deren Sequenz bei Krebs meist unverändert bleibt, die jedoch trotzdem für den Tumor unverzichtbar sind, weil sie beispielsweise die Energiezufuhr regulieren.
In der Klinik helfen diese Daten für Erkrankte die jeweils beste Therapie zu finden – also die wirksamste Behandlung mit den wenigsten Nebenwirkungen. Zudem lässt sich anhand der molekularen Eigenschaften eine Krebserkrankung schon frühzeitig erkennen.

Referenz:
MPIMG Berlin, Helmholtz Zentrum München
Integration of Multi-Omics Data with Graph Convolutional Networks to Identify New Cancer Genes and their Associated Molecular Mechanisms, Nature Mach Intell 2021;

https://www.nature.com/articles/s42256-021-00325-y

#krebs #krebsgene #deeplearning #tumor #methylierung #mutation #multiomics #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Entwicklungsbiologie Genetik Infektiologie Molekulare Medizin Neurowissenschaften Onkologie Virologie Wissenschaft

Wie Viren das wachsende Gehirn schädigen

Viren befallen unterschiedlichste Gewebestrukturen in unserem Körper und nutzen spezielle Proteine wie Türöffner, um ins Innere der Zelle zu gelangen und diese dann für ihre eigene Fortpflanzung zu „hacken“: Die Zelle produziert fortan nur noch andere Viren und keine eigenen Zellnachkommen. Während der menschlichen Gehirnentwicklung sind manche Vireninfektionen daher besonders kritisch – die Folge können schwere Fehlbildungen im Gehirn sein. Für werdende Mütter ist daher besondere Vorsicht vor Infektionserregern wie Toxoplasma gondii, Röteln-Viren, CMV, ZIKA-Viren und Herpes-simplex-Viren (HSV) geboten.

Bislang war es nicht möglich, den Einfluss bestimmter Viren auf die Gehirnentwicklung systematisch am Menschen zu untersuchen. Eine einzigartige Technologie, die weltweit erstmals am Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien entwickelt wurde, erlaubt es nun, den Einfluss von Infektionen auf die menschliche Gehirnentwicklung neu zu beleuchten und innovative Therapien zu testen. Dies funktioniert an Gehirn-Organoiden, die aus menschlichen Stammzellen herangezüchtet werden. Diese können etwa aus einem kleinen Stück Haut oder einer Blutprobe gewonnen werden. Untersucht wurden aktuell ein Virenbefall durch ZIKA und das Herpes Simplex Virus. Diese wurden in der Petrischale „infiziert“, um den Einfluss der Erreger auf die Gehirnentwicklung zu studieren.

Die Organoide bieten auch ein ideales Modellsystem, um die Entwicklung neuer Therapien gegen Viren, die das menschliche Gehirn befallen, anzutreiben. Im Labor gelang es ForscherInnen bereits, Herpes infizierte Gehirn-Organoide durch die Gabe von Interferon Typ 1 vor Fehlbildungen zu schützen. In Zukunft soll eine Vielzahl weiterer Substanzen getestet werden und das Modell auch in der Krebsforschung eingesetzt werden.

Referenz:
IMBA Wien
Organoid modeling of Zika and Herpes Simplex Virus 1 infections reveals virus-specific responses leading to microcephaly; Cell Stem Cell 2021, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1934590921001107

#viren #schwangerschaft #gehirnentwicklung #testsystem #organoid #herpes #interferon #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Diagnostik Interne Medizin Neurologie Neurowissenschaften Wissenschaft

Blutsenkung erkennt seltene neurodegenerative Erkrankungen

Mit einigen Tausend Betroffenen weltweit gehören die Chorea-Akanthozytose und das McLeod-Syndrom zur Gruppe der Neuroakanthozytose-Syndrome. Die Betroffenen leiden an Krampfanfällen, haben Schwierigkeiten beim Essen oder entwickeln Störungen wie unwillkürliche abrupte Bewegungen, die Extremitäten, aber auch Gesicht und Körper betreffen können und die Patienten unruhig erscheinen lässt. Bei diesen Erkrankungen, ausgelöst durch einen Gendefekt, verformen sich die roten Blutkörperchen stachelförmig und lösen in Folge neurologische Probleme aus.

Die Diagnose ist aufwändig, da die Krankheiten meist mit einer Gen-Analyse festgestellt werden. Da diese auch extrem selten sind und sehr unterschiedliche Symptome haben, werden sie oft erst sehr spät diagnostiziert. Der Biophysiker Lars Kaestner und sein Team haben nun eine sehr einfache Methode entdeckt, die eine flächendeckende Untersuchung erlauben würde: die Blutsenkung. Eine Methode die schon seit Jahrtausenden bekannt ist.

Bereits in der Antike war bekannt, dass rote Blutkörperchen in einem Röhrchen nach unten absinken. Bei einer Entzündung tun sie das schneller. Bei den Neuroakanthozytose-Syndromen haben Kaestner und sein Team nun herausgefunden, dass die Blutsenkung extrem langsam vonstatten geht, „also genau umgekehrt wie in den früheren Fällen, die man bei Entzündungen beobachten konnte“. Dabei gibt es nach ihren Beobachtungen einen recht klar festgelegten Zeitpunkt von zwei Stunden, nach dem sich ein klarer Unterschied zwischen Neuroakanthozytose-Patienten und gesunden Probanden zeigt. „Es ist keine hundertprozentig sichere Diagnosemethode,“ schränkt Kaestner ein, „aber damit haben Mediziner, die diese seltenen Krankheiten behandeln, eine sehr einfache und günstige Methode an der Hand, um diese Krankheiten flächendeckend zu testen.“

Referenz:
Universität des Saarlandes
Acanthocyte sedimentation rate as a diagnostic biomarker for neuroacanthocytosis syndromes: experimental evidence and physical justification, cells 2021; https://www.mdpi.com/2073-4409/10/4/788


#neurologie #neurodegenerativeerkrankung #neuroakanthozytose #blutsenkung #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Pädiatrie Schmerzmedizin Wissenschaft

Kinder wünschen sich eine bessere Schmerzbehandlung

In einer großen Studie hat die Universität Bern in zwölf Zentren und vier europäischen Ländern Untersuchungen zur Schmerzbehandlung während einer Operation bei Kindern durchgeführt. Die Untersuchung (PAIN OUT infant) ging dabei in Bezug auf die Ermittlung von Schmerzen neue Wege. Es wurde nach dem objektiv feststellbaren Schmerz und nach dem vom Patienten erlebten Schmerz gefragt (patient-reported outcome). Dazu gehörte u. a. auch, ob sich das Kind, oder wo nötig die Eltern bzw. Betreuungspersonen, in den zurückliegenden ersten 24 Stunden nach der Operation „mehr Mittel gegen Schmerzen“ gewünscht hätte.

Das Ergebnis der Studie, die insgesamt 938 Kinder involvierte, zeigte ein großes Bedürfnis nach einer besseren Schmerzbehandlung. Die Analyse der Daten ergab bei fast jedem vierten Kind einen Optimierungsbedarf nach einer Blinddarm- oder Mandeloperation aufgrund von schmerzbedingten Schlafstörungen und Bewegungseinschränkungen. Kinder, die sich „mehr Mittel gegen Schmerzen“ wünschten, berichteten häufiger über Einschränkungen und erhielten postoperativ höhere Opioiddosen.

Die Auswertung der Daten zeigte jedoch auch ein überraschendes Resultat: das Forschungsteam entdeckte eine Möglichkeit den Einsatz opioidhaltiger Schmerzmittel nach der Operation zu vermindern. Es zeigte sich nämlich, dass Kinder, bei denen vorsorglich eine Gabe von mindestens zwei verschiedenen Klassen von Nicht-Opioid-Analgetika (NSAR, Metamizol oder Paracetamol) erfolgte, bei der Befragung 24 Stunden nach dem Eingriff deutlich seltener den Wunsch nach mehr Schmerzbehandlung äußerten. Im nächsten Schritt geht es jetzt darum, den Zusammenhang der vorsorglichen Schmerzbehandlung mit einem geringeren postoperativen Bedarf genauer zu untersuchen und gegebenenfalls zu optimieren.

Referenz:
Universität Bern
Desire for more analgesic treatment: pain and patient-reported outcome after paediatric tonsillectomy and appendectomy; Brit J Anaesthesia 2021; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0007091221000830

#kinder #operation #schmerzmittel #nsar #schmerzbehandlung #blinddarm #mandeloperation #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Allgemeinmedizin Neurologie Psychologie Wissenschaft

Verschwörungstheoretiker leiden nicht unbedingt an einer Denkverzerrung

Verschwörungstheorien scheinen im Laufe der Covid-19-Pandemie an Beliebtheit zu gewinnen. Doch wie stark stimmen Menschen ihnen tatsächlich zu, und wie hängt das mit Denkverzerrungen zusammen? Ein Forschungsteam der Universität Basel hat dies anhand einer repräsentativen anonymen Online-Umfrage mit über 1600 Personen in der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland untersucht.

Im Durchschnitt stimmten knapp 10 Prozent aller Befragten einer Verschwörungsaussage stark, weitere 20 Prozent wenig oder mäßig und ungefähr 70 Prozent gar nicht zu. Den größten Anklang fanden Aussagen, die nahelegten, dass das Virus menschengemacht oder die offizielle Erklärung zu der Ursache des Virus anzuzweifeln sei.

Teilnehmende, die stärker zustimmten, waren im Durchschnitt jünger, gestresster und berichteten über mehr Paranoia-ähnliche Erfahrungen, wiesen eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau auf. Die Zustimmungswerte unterschieden sich nicht zwischen Geschlechtern. Die Forschungsergebnisse zeigen auch, dass die Impfakzeptanz in der Schweiz geringer ist als in anderen westeuropäischen Ländern.

Mit der Zustimmung zu Verschwörungstheorien gingen Besonderheiten in Denkprozessen einher. So wurden Schlussfolgerungen vorschneller und unter größerer Unsicherheit getroffen. Dabei zeigte sich aber, dass nicht alle Befürworter so denken, eine Untergruppe der Befragten zog ihre Schlussfolgerungen eher vorsichtig, analytisch und adaptiv. Ergebnisse, die die Forscher überraschten. Fazit der Untersucher: „Dies mahnt einerseits zur Vorsicht bei Pauschalisierungen über die Anhängerschaft von Verschwörungstheorien, andererseits birgt es aus Forschungsperspektive auch das Potenzial, in Zukunft die kognitiven Mechanismen von Verschwörungstheorien noch genauer zu untersuchen.“

Referenz:
Universität Basel
Coronavirus conspiracy beliefs in the German-speaking general population: endorsement rates and links to reasoning biases and paranoia, Psychological Medicine (2021), doi: 10.1017/ S0033291721001124

#verschwörungstheorie #konspiration #covid #pandemie #denkverzerrung #denkprozess #bildung #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Allgemeinmedizin Leben Wissenschaft

Wirkt Zirbenholz schlaffördernd?

Zirben-Möbel riechen nicht nur angenehm, angeblich fördern sie auch Schlaf und die Gesundheit. Ob es dafür jedoch wissenschaftliche Belege gibt, wurde an der Donau-Universität-Krems (Cochrane Österreich) erneut untersucht.
Das Ergebnis ist einigermaßen ernüchternd: Die Behauptung ist zwar nicht zwingend falsch, wissenschaftlich fundierte Belege, die eine schlaffördernde Wirkung belegen könnten, gibt es aber nicht.

Auch wenn regionale Möbelhersteller die positive Wirkung des Zirbenholzes auf den Körper bewerben, wird als Quelle dafür immer dieselbe kleine Studie aus dem Jahr 2003 zitiert. An dieser nahmen nur 15 Teilnehmer teil, die abwechselnd Nächte in einem Zirbenholz- oder einem Holzdekorbett verbringen mussten. Welches Bett die Testpersonen zuerst erhielten, wurde per Los ermittelt. Lattenrost und Matratze durften die Versuchspersonen von ihrem bisher gewohnten Bett übernehmen. Über den Zweck des Versuchs wussten sie nicht Bescheid.
Während die Teilnehmenden schliefen, zeichnete das Forschungsteam mit einem mobilen Gerät deren Herzschläge und Hirnströme auf. Am Ende zeigte sich: der Puls der 15 Testpersonen scheint beim Schlaf im Zirbenbett niedriger als im Spanplattenbett gewesen zu sein. Auch die Aktivität des für Ruhe zuständigen Nervensystems scheint deutlich größer zu sein.

Auf die Frage wie gut und erholsam die Teilnehmenden in jeder Nacht geschlafen hatten, zeigten sich aber keine Unterschiede. Zudem blieben Angaben zu den Fragebögen unvollständig, so dass die Ergebnisse keine definitive Aussage erlauben und nur bedingt nachvollziehbar sind. Ob Zirbenbetten also tatsächlich für einen besseren Schlaf sorgen, müssen in Zukunft besser dokumentierte Studien an deutlich mehr Testpersonen klären.

Referenz:
Donau-Universität Krems
Zirbenholz: Waldgeruch als Schlafhilfe? medizin transparent, Cochrane Österreich 2021; https://www.medizin-transparent.at/zirbenholz-waldgeruch-als-schlafhilfe/

#zirbe #zirbengeruch #zirbenmöbel #schlaf #studie #gesundheit #einfluss #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Diagnostik Infektiologie Intensivmedizin Interne Medizin Molekulare Medizin Technologie Virologie Wissenschaft

„Bakterienfressende“ Viren gegen multiresistente Keime

Bakteriophagen sind spezielle Viren, die ausschließlich Bakterien angreifen und deshalb eine Alternative zu Antibiotika darstellen können. Ein Team aus österreichischen, deutschen und schweizerischen Forschern konnte nun erstmals zeigen, dass gezielt herangezüchtete Phagen deutlich besser gegen multiresistente Keime wirken als bekannte Wildtypen (die ursprüngliche Form der Bakterien). 

Eine Therapie mit „bakterienfressenden“ Viren gilt schon seit einiger Zeit als aussichtsreiche Option zur Therapie von schwer zu behandelnden Infektionen mit multiresistenten Bakterien. Sie wirken viel gezielter auf die krankheitsverursachende Bakterienspezies und können typische Resistenzmechanismen von Bakterien umgehen. Die gezüchteten Phagen sind aber derart exakt an ihr Wirtsbakterium angepasst, dass selbst eng verwandte Stämme der gleichen Bakterienart nicht mehr von ihnen angegriffen werden und sie dadurch nur eine geringe Gesamtwirkung zeigen. Mischt man diese mit natürlich vorkommenden Phagen, wirkt die Mixtur zwar besser, aber im besten Fallt oft nur bei der Hälfte aller Zielbakterien.

Ein österreichisches Unternehmen kreuzte nun verschiedene Phagen und selektierte diejenigen, die ein möglichst breites Spektrum an Bakterienstämmen angreifen konnten. Eine Mischung der so gezüchteten Phagen wurde nun an 110 Staphylokokken-Stämmen getestet (43 Prozent von ihnen waren bereits multiresistente MRSA-Varianten).
Das Resultat nach der Behandlung mit den gezüchteten Phagen: Bei 101 der 110 Bakterienstämme wurde das Wachstum erfolgreich unterbunden. Damit könnte die neue Therapie bei manchen Krankheitsbildern als ernsthafte Alternative zur antibiotischen Behandlung von MRSA-Infektionen in Betracht gezogen werden, meinen die Forscher.

Referenz:
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Université de Lausanne, Universität Dresden
ε2-Phages Are Naturally Bred and Have a Vastly Improved Host Range in Staphylococcus aureus over Wild Type Phages. Pharmaceuticals 2021;  https://www.mdpi.com/1424-8247/14/4/325

#multiresistenz #mrsa #antibiotika #phagen #staphylokokken #bakterien #infektion #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Leben

Unfallchirurgen geben Erste-Hilfe-Tipps bei Heimwerkerverletzungen

Viele Menschen nutzen – zum Teil coronabedingt – die Gelegenheit, Renovierungsarbeiten in den eigenen vier Wände in Angriff zu nehmen. Mit Folgen für das Gesundheitssystem. Heimwerkerverletzungen in der Notaufnahme nehmen zu. Denn auch wenn auf Social-Media-Plattformen Do-it-yourself-Anleitungen boomen, stellt sich manches schwieriger dar als angenommen.

Das Resultat können Schnitt- und Stichwunden, Quetschungen und Brüche, aber auch abgetrennte Finger und Fingerkuppen sein. Für den Fall, dass es zu einem Unfall kommt, sollte man daher einen Verbandkasten in der Nähe haben und wissen, was nach einem Unfall als Erstes zu tun ist, meinen Unfallchirurgen.

5 Ersthilfe-Tipps von Unfallchirurgen:
• Bei Quetschungen: PECH-Regel anwenden – Pause, Eis, Kompression (compression), ggf. hochlegen. Sollten die Beschwerden am Folgetag nicht wesentlich rückläufig sein, so empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, um strukturelle Verletzungen abklären zu lassen.
• Beim Schnitt mit einem Cuttermesser: Blutung mit einem sauberen Tuch stoppen und die Wunde beobachten. Kribbelt der Finger oder ist er taub, könnte ein Nerv verletzt sein. Auch hier gilt, dass im Zweifel ein Arzt kontaktiert werden sollte.
• Beim Schlag mit dem Hammer auf Finger oder Daumen: Wenn es keine offene Wunde ist, dann mit einem feuchten Tuch kühlen. Wenn der Schmerz oder die Schwellung nicht nachlässt, sollte auch hier eine Abklärung erfolgen, um ggf. Brüche auszuschließen. Auch ein Bluterguss unter dem Nagel sollte abgeklärt werden, er kann auf einen Bruch des Fingerendgliedes hindeuten.
• Bei einem abgeschnittenen Finger: Falls mit der Kreissäge ein Finger abgetrennt wurde, ist schnelles Handeln erforderlich. Die Blutung am Stumpf muss mit einem Druckverband gestoppt werden. Das Fingerglied muss trocken in eine Plastiktüte. Diese Tüte wird in eine weitere Plastiktüte gesteckt, die mit etwas Wasser und wenig Eis gefüllt ist. Das Fingerglied darf keinesfalls direkt mit Eis in Berührung kommen, sonst kann es zu thermischen Schädigungen am Gewebe kommen.
• Beim Sturz auf den Rücken: Bei starken Schmerzen oder Bewusstlosigkeit sollte umgehend ein Rettungswagen gerufen werden, da es sich um eine Wirbelsäulenverletzung oder schwerere Kopfverletzung handeln kann.

Als besonders tückisch erweisen sich manchmal kleine Verletzungen, beispielsweise am Handteller oder am Fuß. Denn Keime können bei einem Stich oder Schnitt tief in die Wunde eindringen. Da sich die obere Hautschicht sofort wieder schließt, ist zwar äußerlich von der Wunde kaum noch etwas zu erkennen, aber in den unteren Gewebeschichten kann sich eine Infektion entwickeln und Knochen und Gewebe schädigen. Was anfangs harmlos erscheint, kann schnell problematisch werden und in einem Klinikaufenthalt enden. Es ist deshalb ratsam, bei länger anhaltender Rötung, pochenden pulssynchronen Schmerzen oder Entzündungszeichen unbedingt den Facharzt aufzusuchen – auch in Corona-Zeiten.


Fünf häusliche Tipps für Hobbyhandwerker
• Festes Schuhwerk tragen: nicht in Hausschuhen oder Flipflops auf die Leiter steigen
• Sicher stehen: keine wackligen Leitern benutzen und nicht auf Tische, Stühle oder Hocker steigen, um an höhergelegene Stellen zu kommen
• Nicht ablenken lassen: konzentriert arbeiten mit Bohrmaschine, Flex und Co
• Keine Mutprobe: eigene Fähigkeiten einschätzen, besonders wenn beim Handwerken keine Vorerfahrung vorhanden ist; bei Zweifel besser einen Handwerker hinzuziehen, beispielsweise bei Elektroarbeiten
• Vorsicht bei Ratgeber-Videos: Nicht immer liefern Amateur-Videos die richtigen Sicherheits-Informationen und vieles sieht einfacher aus, als es ist.

Referenz:
Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
Unfallchirurgen geben Erste-Hilfe-Tipps bei Handwerkerverletzungen, 25.3.2021;
https://idw-online.de/de/news?print=1&id=765654

#unfallchirurgie #unfall #haushalt #heimwerker #quetschung #sturz #schnitt #wundversorgung #erstehilfe #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva