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Gute Freunde sorgen für emotionale Stabilität

Beste Freunde sind in stressigen Situationen von besonders großem Wert, auch wenn diese nicht persönlich anwesend sind. Das konnte Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gemeinsam mit KollegInnen in einer bildgebenden Studie mittels funktioneller Magnetresonanztomographie belegen.

Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen soziale Isolation und Quarantäne an der Tagesordnung stehen, ist es vielen Menschen nicht möglich, ihre besten Freundinnen und Freunde persönlich zu treffen und sich über ihre Ängste, Gefühle und Sorgen des Alltags auszutauschen. Gerade junge Leute kommunizieren – noch mehr in Zeiten von Social Distancing – schriftlich, tauschen sich über Messenger-Apps über Gefühle aus und suchen so auch Hilfe.

„Wir wissen aus zahlreichen anderen Studien, dass Menschen Gefühle durch soziale Nähe besser bewältigen können“, sagt Morawetz. Das Spannende an der aktuellen Studie ist, dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn diese nur „virtuell“ erfolgt, die unterstützend wirkende Person also nicht selbst im Raum anwesend ist. Dabei wird die Hirnaktivierung durch die soziale Nähe zum Unterstützer beeinflusst. „Das heißt, es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen bekommen, oder ob es sich um eine für uns unbekannte Person handelt“, betont Carmen Morawetz.

„Von den ganzen aktivierten Hirnregionen, die an der Abschwächung der Emotionen beteiligt sind, kommt dem Mandelkern (Amygdala) eine besondere Funktion zu; diese ist bei der Hilfe durch Unbekannte stärker aktiviert,“ erklärt Morawetz. Der Einfluss von Freunden wirkt sich hier stabilisierend aus.

Referenz:
Uni Innsbruck, Freie Universität Berlin, Universität Melbourne
With a little help from my friends: the effect of social proximity on emotion regulation-related brain activity; NeuroImage, 30.1.2021; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S105381192100094X?via%3Dihub

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Fotocredit: Canva