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Neuer Faktor der Leukämieentstehung identifiziert

Trotz der jüngsten Fortschritte bei den Therapieoptionen ist die Gesamtprognose für die meisten PatientInnen, die an akuter myeloischer Leukämie (AML) erkranken, schlecht. Daher besteht ein dringender Bedarf an einem besseren Verständnis der molekularen Mechanismen der Leukämie-Entstehung und -Erhaltung, um neuartige Therapien zu entwickeln. WissenschaftlerInnen des Instituts für Medizinische Biochemie der Vetmeduni Vienna lieferten nun neue potenzielle Ansatzpunkte zur Behandlung dieser Krebserkrankung.
In ihren Untersuchungen erwies sich das RNA-bindende Protein MUSASHI-2 (MSI2) als eines der Proteine, die zur Entstehung von Leukämizellen beitragen.

10 bis 15 % aller an AML erkrankten PatientInnen weisen Mutationen in einem bestimmten Gen (CEBPA-Gen) auf, wovon die häufigsten Veränderungen zu einer verkürzten Isoform (p30) dieses Gens führen. Das Wissenschaftsteam wies nun nach, dass genau diese p30-induzierten Veränderungen an 33 weiteren Genen beeinflussen, die in Folge an der Entstehung von Leukämien mitwirken. Als kritisches Zielgen von p30 identifizierten sie das RNA-bindende Protein MUSASHI-2 (MSI2).

„AML-PatientInnen mit CEBPA-Mutationen exprimierten hohe MSI2-Spiegel, und MSI2 war für das Überleben von murinen (Zellen der Maus) und humanen AML-Zellen mit CEBPA-Mutationen erforderlich“, so Studienerstautorin Elizabeth Heyes vom Institut für Medizinische Biochemie der Vetmeduni Vienna. Wird das Protein jedoch ausgeschalten (MSI2-Knockdown), verzögert das die Entstehung einer akuten myeloischen Leukämie. MSI2 könnte daher ein potenzielles neues Behandlungsziel bei PatientInnen mit CEBPA-mutierter AML darstellen.

Referenz:
VetMedUni Wien
Identification of gene targets of mutant C/EBPα reveals a critical role for MSI2 in CEBPA-mutated AML, Leukemia 2021; 
https://www.nature.com/articles/s41375-021-01169-6

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Effektive Therapieoption bei Hochrisiko-AML

Wissenschaftler der Philipps-Universität Marburg haben an einer speziellen Form der akuten myeloischen Leukämie (AML) geforscht, die durch eine Mutation im FLT3-Gen charakterisiert ist und bei etwa 25 Prozent aller AML-Patienten auftritt. Trotz intensiver Chemotherapie und Stammzellentransplantation ist die Prognose sehr schlecht, weil Patienten mit dieser Mutation in mehr als 50 Prozent einen Rückfall erleiden, der meistens nicht mehr effektiv therapiebar ist.

Eine neue Behandlungsoption könnte nun aber die Therapiepraxis für diese Hochrisiko-AML-Patientengruppe grundlegend verändern: das Rückfall- und Sterberisiko sank um 75 Prozent, wenn sie mit dem Wirkstoff Sorafenib behandelt wurden. Dies zeigten die Ergebnisse der Placebo-kontrollierten SORMAIN-Studie.

In der Studie mit insgesamt 83 Studienteilnehmer erhielten diese nach der Stammzelltransplantation über 24 Monate eine Erhaltungstherapie mit dem Wirkstoff Sorafenib oder einem Placebo und wurden anschließend im Schnitt weitere drei Jahre nachbeobachtet. „Nach diesem langen Studienverlauf können wir ganz klar sagen, dass Sorafenib die Überlebenschancen von AML-Patienten mit FLT3-ITD Mutation deutlich steigert“, so Studienautor Burchert.

Inwiefern auch AML-Patienten ohne FLT3-ITD Mutation von einer Sorafenib-Erhaltungstherapie nach Stammzelltransplantation profitieren, soll Gegenstand einer geplanten klinischen Folgestudie sein.

Referenzen:
Philipps-Universität Marburg, Pressemitteilung
Originalpublikation: Journal of Clinical Oncology 2020, DOI: 10.1200/JCO.19.03345. https://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.19.03345

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