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Delta-Variante: Impfstoffe schützen zu 88% respektive 67%

Während die WHO die Gefährlichkeit der Delta-Variante untermauert und vor den Langzeitfolgen warnt – diese Coronavirus-Variante ist inzwischen in 124 Ländern nachgewiesen und sorgt für die derzeit steigenden Erkrankungsraten – belegt eine neue Studie die Wirksamkeit der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Astra Zeneca gegen diese Variante des Coronavirus.

Zwei Dosen dieser Impfstoffe zeigen sich in der in England durchgeführten Untersuchung als fast genauso wirksam gegen die Delta-Variante, wie gegen die zuerst dominierende Alpha-Variante. Laut der eben veröffentlichten Studie schützen zwei Impfungen mit BioNTech/Pfizer (Comirnaty) zu 88% vor einer symptomatischen Erkrankung durch die Delta-Variante, verglichen mit 93,7% gegen die Alpha-Variante. Zwei Impfungen mit Astra Zeneca (Vaxzevria) verhindern den Ausbruch der Erkrankung bei der Delta-Variante zu 67%, verglichen mit 74,5% gegen die Alpha-Variante.

Nach nur einer Impfung beträgt die Schutzwirkung mit BioNTech/Pfizer 36%, mit Astra Zeneca 30%. Aufgrund der Ergebnisse raten die Autoren der Studie erneut dazu, auf die Zweitimpfung nicht zu verzichten.

Referenz:
NIHR London
Effectiveness of Covid-19 Vaccines against the B.1.617.2 (Delta) Variant, N Engl J Med 2021; https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2108891

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Möglicher Durchbruch bei Zöliakie-Behandlung

Die Zöliakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms. Bereits kleinste Mengen glutenhaltiger Nahrungsmittel (Getreide) lösen dabei Entzündungen der Dünndarmschleimhaut aus die auf Dauer zu einer Verkleinerung der Oberfläche der Darmschleimhaut führen. Dadurch können Betroffene weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen. Die Erkrankung kann auch zu Komplikationen wie Blutarmut, Knochenschwund oder Wachstumsverzögerungen führen.

Eine neues Zöliakiemedikament, der Transglutaminase-Hemmer ZED1227, könnte das Leben der Betroffen künftig verbessern, zeigt eine eben veröffentlichte Studie. Der Enzymblocker verhindert die Veränderung von Gluten-Bruchstücken, die bei Zöliakiepatienten zur Entstehung von Antikörper (sogenannte TG2-Antikörper) und den genannten Entzündungsreaktionen führt.   

Untersucht wurde das Medikament an 160 Patienten und mehreren Studienorten in sieben europäischen Ländern. Die neue Substanz verhinderte in jeder Dosierung die glutenbedingte Entzündung und den Zottenschwund. Dabei erwies sich die höchste Dosierung als am wirksamsten. Darüber hinaus verbesserten sich mit jeder Dosierung des Medikaments die Zöliakie-typischen Symptome sowie die empfundene Lebensqualität.

Damit ist es das erste Zöliakie-Medikament, für das eine klinische Wirksamkeit belegt werden konnte. Experten gehen aber davon aus, dass sich Betroffene weiterhin weitgehend glutenfrei ernähren werden müssen. Das Medikament könnte aber zumindest das in manchen Lebensmitteln „versteckte“ Gluten neutralisieren und so zu einer Verminderung von Symptomen beitragen.

Referenz:
Universität Mainz, Duisburg-Essen, Jena, Berlin, München, Oslo University…
A Randomized Trial of a Transglutaminase 2 Inhibitor for Celiac Disease, N Engl J Med 2021;
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2032441

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Allgemeinmedizin Leben Umwelt Wissenschaft

Bei welcher Temperatur wird das Wetter zum Problem?

Wenn die extreme Hitze häufiger wird und die Temperatur über eine längere Dauer auf hohem Niveau bleibt, steigt der physiologische Stress bei Menschen, Tieren und Pflanzen. An der Technischen Universität München wurde nun untersucht, welche Temperaturen von Menschen, Nutztieren und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen bevorzugt werden und ab wann sie schädliche Auswirkungen zeigen. Das Ergebnis: Mensch, Tier und sogar Pflanzen bevorzugen einen ähnlichen Wohlfühltemperaturbereich: dieser liegt zwischen 17 und 24 Grad Celsius. 

Bei hoher Luftfeuchtigkeit beginnt eine leichte Hitzebelastung für den Menschen bei etwa 23 Grad Celsius und bei niedriger Luftfeuchtigkeit bei 27 Grad Celsius. „Sind Menschen längere Zeit Temperaturen über 32 Grad Celsius bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit oder über 45 Grad Celsius bei extrem niedriger Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, kann das tödlich sein“, so Studienleiter Senthold Asseng.  

Bei Rindern und Schweinen treten Hitzebelastungen bei 24 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit und bei 29 Grad Celsius bei niedriger Luftfeuchtigkeit auf. Die Milchleistung bei Kühen kann bei Hitzebelastung um 10 – 20 Prozent sinken und auch die Mastleistung von Schweinen reduziert sich. Hühner erfahren eine leichte Hitzebelastung bei 30 Grad Celsius, ab 37 Grad geht die Legerate zurück. Insgesamt führt Hitzestress bei allen Nutztieren zu einem verringerten Wachstum. c

Asseng: „Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten 45 – 70 Prozent der globalen Landfläche von Klimabedingungen betroffen sein, bei denen der Mensch ohne technische Hilfen, wie etwa Klimaanlagen, nicht mehr überleben kann. Derzeit sind es 12 Prozent. Das bedeutet, dass in Zukunft 44 bis 75 Prozent der menschlichen Bevölkerung chronisch durch Hitze gestresst sein werden. Eine ähnliche Zunahme der Hitzebelastung ist für Vieh, Geflügel, Nutzpflanzen und andere lebende Organismen zu erwarten.

Referenz:
TU München
The upper temperature thresholds of life, The Lancet Planetary Health, June 2021, https://doi.org/10.1016/S2542-5196(21)00079-6

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Allgemeinmedizin Pädiatrie Wissenschaft

mRNA-Impfstoff nicht in Muttermilch nachweisbar

Corona-Impfungen für stillende Frauen, die einen mRNA-Impfstoff erhalten hatten, sind nach Einschätzung von US-Experten in Hinblick auf die Muttermilch unproblematisch. Wegen der Immunisierung sollten Mütter nicht aufhören zu stillen, schreibt das Forschungseam der University of California San Francisco im Fachblatt „JAMA Pediatrics“.

In der relativ kleinen Studie hatten fünf Probandinnen den mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer und zwei den von Moderna erhalten. Die untersuchten Proben wurden vor der Impfung sowie zwischen vier und 48 Stunden danach entnommen. In keiner der Proben konnte mRNA aus dem Impfstoff nachgewiesen werden. Eine Übertragung auf den Säugling ist daher relativ unwahrscheinlich, schließen die Forscher.

Referenz:
University of California, San Francisco
Science APA, Pressemeldung 6.7.2021; https://science.apa.at/power-search/15566569007076392639
Evaluation of Messenger RNA From COVID-19 BTN162b2 and mRNA-1273 Vaccines in Human Milk, JAMA Pediatrics 2021; https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2781679

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Allgemeinmedizin Notfallmedizin Wissenschaft

Rettungskräfte: gestresster als angenommen

Rettungskräfte sind häufig akuten Stressoren ausgesetzt, scheinen diesen jedoch häufig zu ignorieren. Das kann schädlich sein und zu stressbedingten Krankheiten führen. In einer Studie wurde daher die Diskrepanz zwischen der von den Rettungskräften berichteten Stressreaktion und der tatsächlich gemessenen körperlichen Stressreaktion untersucht.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bei den Rettungskräften die körperlichen Stresswerte, gemessen durch das Stresshormon Cortisol, bereits am Morgen eines Arbeitstags höher waren als bei Büroangestellten. Weiterhin wurde eine Veränderung von Immunparametern, die mit Stress in Verbindung gebracht werden, nicht nur an Arbeitstagen, sondern auch während der freien Tage, beobachtet. Die EKG-Aufzeichnungen während einer kompletten 24-Stunden-Schicht dokumentierten auch akuten Stress bei Rettungskräften auf dem Weg zu den Rettungseinsätzen. Trotz der physiologisch gemessenen höheren Stresswerte berichteten Rettungskräfte bei der Befragung subjektiv signifikant über weniger Stress als Büroangestellte. Allerdings erreichten die Rettungskräfte höhere Werte auf der Skala Depersonalisierung – einer Facette von Burnout.

Außerdem offenbarte die Studie, dass Stressoren im Rettungsdienst mit einem Anstieg von Sorgen, sozialer Isolation, Irritation und negativem Affekt sowie zu einem verringerten Flow-Erleben während der Arbeit, weniger Freude und einem schlechteren Abschalten von der Arbeit zusammenhängen. Diese Ergebnisse unterstreichen daher die Bedeutung der Entwicklung von Interventionen zur Stressbewältigung für Rettungskräfte, einschließlich der Sensibilisierung für ihre Stressreaktionen.

Referenz:
TU Dortmund, Ruhr-Universität-Bochum, Uni Lübeck, Uni Bremen, MSH
Low self-reported stress despite immune-physiological changes in paramedics during rescue operations. EXCLI Journal 2021; https://doi.org/10.17179/excli2021-3617

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Kaffeetrinken hilft der Leber

Kaffee zu genießen, gehört für Millionen zum Alltag. Dass man sich damit auch etwas Gutes tut und beispielsweise sein Herz schützt, wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach durch Studien belegt. Eine rezente britische Analyse kommt nun zum Schluss, dass auch die Leber enorm von einer „Kaffee-Sucht“ profitiert.

Drei bis vier Tassen am Tag können offenbar das Risiko für chronische Lebererkrankungen wie Leberzirrhose, Fettleber oder Leberkrebs um bis zu 20 Prozent verringern. In der Langzeitstudie wurden die Daten von über 500 000 Personen, darunter Kaffee- und nicht-Kaffetrinker, miteinander verglichen. Im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren wurden 3.600 Fälle chronischer Leberschäden, 5.439 Fälle von Fettleber und 184 Leberkrebsfälle diagnostiziert. 301 Studienteilnehmer starben an einer Lebererkrankung. In der Mehrzahl der Fälle betrafen die Diagnosen Personen, die selten oder keinen Kaffee getrunken hatten. Das Risiko für eine chronische Lebererkrankung nahm umgekehrt proportional zum Kaffeekonsum ab, ab vier Tassen Kaffee am Tag war keine weitere Verbesserung erkennbar.

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Lebererkrankung zu sterben, reduzierte sich signifikant um die Hälfte. Für Leberkrebs waren positive, aber nicht signifikante Effekte erkennbar. Die günstigen Auswirkungen des Kaffeekonsums traten bei allen Kaffeevarianten auf, beim üblichen Bohnenkaffee jedoch stärker als bei entkoffeinierten oder Instant-Kaffee. Welche Inhaltsststoffe für den gesundheitsfördernden Effekt zuständig sind, müssen erst weitere Studien klären. Kaffein allein scheint es nicht zu sein.

Referenz:
University of Southhampton
All coffee types decrease the risk of adverse clinical outcomes in chronic liver disease: a UK Biobank study, BMC Public Health 2021; https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-021-10991-7

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Covid-19: Nadelangst steht Impfungen im Weg

Um die Durchimpfungsraten zu steigern, kommt es auf jede Impfung an. Britische Forscher haben deshalb untersucht, welche Gründe Menschen daran hindern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Eine groß angelegte Studie an über 15 000 Personen belegt nun, dass rund 10% der Impfgegner im Prinzip nichts gegen eine Impfung oder den Impfstoff per se haben, sehr viel jedoch gegen die Handhabung von Injektions-Spritzen.

Bei Menschen mit Injektionsphobie (die überwiegend angeboren ist), führt allein der Anblick von Spritzen zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks, gefolgt von einem plötzlichen Rückgang bei beiden. Ist das der Fall, kann das bei rund der Hälfte der Betroffenen eine Ohnmacht auslösen. Was verständlicherweise dazu führt, dass eine Vakzinierung lange hinausgezögert wird bzw. dass sich Betroffene gar nicht impfen lassen.
Besonders ausgeprägt war die Angst vor Injektionen laut Untersuchung bei jüngeren Personen und Menschen die bestimmten ethnischen Minderheiten angehörten.

Die gute Nachricht für Nadel-Ängstliche lautet: Verhaltens-Therapien können helfen die Angst in den Griff zu kriegen, sind relativ unkompliziert durchzuführen und sehr effektiv. Patienten können auch lernen, die frühen Anzeichen eines Blutdruckabfalls zu erkennen und diesem durch eine Muskelentspannung entgegenzuwirken. Hilfe bieten auch Impfungen in Form von Nasensprays. An der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs in Sprayform wird bereits gearbeitet.

Referenz:
University of Oxford
Injection fears and COVID-19 vaccine hesitancy; Psychological Medicine 2012; https://www.cambridge.org/core/journals/psychological-medicine/article/injection-fears-and-covid19-vaccine-hesitancy/A70D5D859CC25804B7AC4FB3AD54F68D

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Covid-19: Blutdrucksenker-Pause beschleunigt Genesung

Bereits zu Beginn der Pandemie stellte sich die Frage, ob Medikamente aus der Gruppe der ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker schuld daran sein könnten, dass so viele Herz-Kreislauf-PatientInnen einen schweren COVID-19-Verlauf erleiden. Die Medikamente greifen am ACE2-Rezeptor an, welcher auch Coronaviren als Eintrittspforte dient. Die Wirkstoffe gehören zu den weltweit am meisten verordneten Arzneimitteln und werden unter anderem zur Therapie des arteriellen Bluthochdrucks oder bei Herzschwäche eingesetzt.

Ein Team der Medizinischen Universität Innsbruck und der Ludwig-Maximilians-Universität München ging deshalb der Frage nach, ob sich zeitweises Absetzen der Medikamente positiv auf den Verlauf von COVID-19 auswirken könnte. Ihre Untersuchung umfasste 204 Herz-Kreislauf-PatientInnen, die akut mit SARS-Cov-2 infiziert waren und nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt wurden: Eine setzte die Blutdrucksenker für 30 Tage ab, die andere Gruppe nahm sie weiter.


Das Absetzen der Medikamente hatte keinen Einfluss auf die maximale Schwere der Erkrankung. Jedoch erholten sich PatientInnen, die pausierten, rascher und besser von ihrer Erkrankung. Sie wiesen nur halb so häufig eine Organschädigung auf und hatten eine um 50% verminderte Sterblichkeit. Ältere, vorerkrankte Personen könnten deshalb von einem zeitweisen Pausieren einer blutdrucksenkenden Therapie profitieren, so die Forscher. In jedem Fall gilt es aber, die Indikation für die Medikamente, die Verfügbarkeit alternativer Therapien und ambulante Überwachungsmöglichkeiten sorgfältig zu berücksichtigen. Plus darauf zu achten, dass die Einnahme der Medikamente nach überstandener Erkrankung wieder aufgenommen wird.

Referenz:
MedUni Innsbruck; LMU München
Discontinuation versus continuation of renin-angiotensin-system inhibitors in COVID-19 (ACEI-COVID): a prospective, parallel group, randomised, controlled, open-label trial, Lancet 2021; https://www.thelancet.com/journals/lanres/article/PIIS2213-2600(21)00214-9/fulltext

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Häufigkeit der Zöliakie nimmt zu

Laut einer Studie, die am 6. Weltkongress für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung vorgestellt wurde, hat ein Screening bei Kindern im Schulalter zu einer deutlich höheren Zahl von Zöliakiefällen als erwartet, geführt.

Zöliakie (gluteninduzierte Enteropathie) wird dadurch verursacht, dass der Körper Antikörper gegen Gluten produziert, ein Protein, das in Weizen, Gerste und Roggen vorkommt. Diese schädigen die Darmschleimhaut und verursachen Symptome wie Blähungen, Schmerzen, Durchfall, Anämie und andere Erkrankungen, die mit einer Malabsorption von Nährstoffen verbunden sind, einschließlich Müdigkeit, Anämie, Osteoporose und Fruchtbarkeitsproblemen. Bei Säuglingen und Kindern kann die Zöliakie Bauchschmerzen, Blähungen und Erbrechen verursachen sowie zu Wachstumsstörungen und verzögerter Pubertät führen.
Sie ist eine der häufigsten lebenslangen Erkrankungen in Europa. Wirksamste Behandlung ist eine strikte glutenfreie Ernährung.

Das Screening-Programm, das 7760 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren einschloss, ergab eine Zöliakie-Gesamtprävalenz von 1,6 Prozent. „Damit hat sich die Häufigkeit der Zöliakie bei Schulkindern in den letzten 25 Jahren im Vergleich zu den Zahlen unseres Teams in einer ähnlichen Schulaltersgruppe verdoppelt,“ warnt Studienleiterin Elena Lionetti, Universität Ancona: „Im Moment werden 70 Prozent der Zöliakie-Patienten nicht diagnostiziert und diese Studie zeigt, dass deutlich mehr Kinder in einem früheren Stadium identifiziert werden könnten, wenn das Screening im Kindesalter mit nicht-invasiven Screening-Tests durchgeführt würde.“ Eine rechtzeitige Diagnose und eine entsprechende Diät könnte die Darmschäden verhindern, die zur Malabsorption von Nährstoffen und damit zu den langfristigen Erkrankungen wie Wachstumsproblemen oder Osteoporose führen.

Referenz:
Università Politecnica, Ancona
Mass screening for celiac disease in school-age children: the CELI-SCREEN multicenter study, presented at the 6th World Congress of Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition, 4.5.2021

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Zuviel Kochsalz bremst die Fresszellen

Zuviel Kochsalz kann nicht nur den Blutdruck in die Höhe treiben, sondern auch den Energiehaushalt von Immunzellen empfindlich stören und ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigen, warnt ein internationales Forscherteam.

Dass erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut sich sowohl auf die Aktivierung als auch die Funktion patrouillierender Monozyten, der Vorläuferzellen der Makrophagen, auswirkt, ist seit 2015 bekannt. Jetzt weiß man auch, wie das geschieht. Setzt man Immunzellen einer erhöhten Salzkonzentration aus, zeigen sich nach drei Stunden erste Veränderungen. Die Atmungskette wird unterbrochen: die Zellen produzieren weniger ATP und verbrauchen weniger Sauerstoff. ATP ist der universelle Kraftstoff aller Zellen. Er liefert Energie für die „chemische Arbeit“ – die Synthese von Proteinen und anderen Molekülen – für Muskelkraft und die Regulation des Stoffwechsels. Gewonnen wird ATP in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zelle. Wird ihre Aktivität gebremst, reifen Monozyten anders aus und sie können ihrer Aufgabe, Krankheitserreger aufzuspüren und zu beseitigen, nur eingeschränkt nachgehen.

In weiteren Untersuchungen an männlichen Probanden, zeigte sich der dämpfende Einfluss auf die Mitochondrien bereits nach einmaligem Pizzagenuss (10g Salz). Wie lange der Effekt anhält und ob es bei weiterer Salzzufuhr zu Akkumulationseffekten kommt, muss noch untersucht werden. Ebenso, ob dieser Mechanismus auch bei anderen Zelltypen durch Salz beeinflussbar ist. Das ist sehr wahrscheinlich, denn Mitochondrien finden sich nicht nur in Immunzellen, sondern in fast jeder Körperzelle, besonders viele finden sich in Muskel-, Nerven-, Sinnes- und Eizellen.

Ernährungsgesellschaften empfehlen Erwachsenen übrigens nicht mehr als fünf bis sechs Gramm Kochsalz pro Tag.

Referenz:
MDC, Charité Berlin; Freie Universität Berlin, Uni Regensburg, Uni Diepenbeek, Uni Bonn
Salt transiently inhibits mitochondrial energetics in mononuclear phagocytes, Circulation 2021; https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.052788

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