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Sport unterstützt kognitive Entwicklung von Frühgeborenen

Ein zu früher Start ins Leben kann auch im Teenageralter noch Probleme bereiten, wobei sich kognitive Einschränkungen nach wenigen Jahren häufig auswachsen. Kinder, die bereits vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, zeigen allerdings selbst beim Übergang zum Teenageralter noch Unterschiede: sie weisen eine schwächere Impulskontrolle auf. Dies kann zu Nachteilen in der schulischen Leistung führen und hängt mit Verhaltensauffälligkeiten und einer größeren Anfälligkeit für Suchterkrankungen zusammen. Ein schweizerisches Forschungsteam entdeckte jetzt aber, dass frühgeborene Kinder, die sehr gut entwickelte motorische Fertigkeiten hatten, den termingeborenen Kindern in Sachen Impulskontrolle praktisch in nichts nachstanden.

Sie verglichen eine Gruppe von 54 sehr frühgeborenen Kindern im Alter von 9 bis 13 Jahren mit einer Kontrollgruppe gleichaltriger termingeborener Kinder und ließen sie einen sogenannten „Go/NoGo“-Test durchführen, bei dem die Probanden auf ein Signal hin schnellstmöglich einen Knopf drücken müssen, bei einem anderen Signal jedoch nicht. Der Vergleich zeigte, dass die frühgeborenen Kinder durch veränderte Aufmerksamkeitsprozesse den Bewegungsimpuls schwerer unterdrücken konnten.Weitere Untersuchung belegten jedoch auch, dass eine Zunahme bei den motorischen Fertigkeiten, die Einschränkungen bei der Impulskontrolle ausgleichen können.

Die Forscher schließen aus den Ergebnissen, dass ein gezieltes Training der motorischen Geschicklichkeit auch die kognitiven Einschränkungen reduzieren könnte. Insbesondere bei jüngeren Kindern ist die Entwicklung der motorischen und der kognitiven Fähigkeiten eng verknüpft. Das Zeitfenster von 9 bis 13 Jahren könnte daher ein vielversprechender Zeitraum sein, um kognitive Einschränkungen bei sehr frühgeborenen Kindern auszugleichen.

Referenz:
Universität Basel
Very preterm birth and cognitive control: The mediating roles of motor skills and physical fitness, Developmental Cognitive Neuroscience 2021, Doi: 10.1016/j.dcn.2021.100956

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Arbeitsweg als Fitnessstudio

Wer Alternativen zu geschlossen Fitnessstudios sucht: Pendeln zur Arbeit zu Fuss, mit Velo und öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) steigert die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit und senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten ähnlich wie das Training im Fitnesscenter. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Universitätsspitals Zürich und der Universität Salzburg, die zusätzlich einen „Pendlerrechner“ entwickelt haben, mit dessen Hilfe Routenempfehlungen für Arbeitswege erstellt werden können. Dabei wird die Pendelstrecke so optimiert, dass durch den Anteil aktiver Mobilität ein gesundheitlicher Effekt zu erwarten ist.

Über 70 Mitarbeiter der Landeskliniken Salzburg, die mit dem Auto zur Arbeit fuhren, nahmen für ein Jahr an dieser klinischen Studie teil. Ein Drittel der Gruppe legte einen Teil des Weges zur Arbeit regelmässig mit dem Fahrrad zurück. Ein weiteres Drittel ging einen Teil der Strecke zu Fuss und nutzte zudem verstärkt die öffentlichen Verkehrsmittel. Eine Kontrollgruppe änderte nichts an ihrem Verhalten. Ihre Mobilität wurde mittels online-Mobilitätstagebuch und GPS-fähigen Fitnessuhren dokumentiert.

Nach einem Jahr konnte eine deutliche Steigerung der an einem Fahrradergometer gemessenen Leistungsfähigkeit in der Fahrrad- und der Fussgängergruppe nachgewiesen werden. Diese Leistungszunahme war vergleichbar einer Leistungssteigerung in einem Fitnessstudio. Sie führte zu einer Verbesserung der Lebensqualität in Bezug auf Vitalität, mentale Gesundheit, körperliche Funktionalität und kardiovaskuläres Risiko. Wobei es sich hierbei um dosisabhängige Effekte handelt:  jene Probanden, die mehr Kilometer gesund unterwegs waren, zeigten grössere Effekte.  Dies konnte erzielt werden, ohne dass sich die Gesamtdauer des Arbeitsweges relevant verlängerte.

Referenzen
Universität Zürich, Universität Salzburg; Active commuting as a novel option to counteract sedentary lifestyle; Scandinavian Journal of Medicine and Science in Sports, Special Issue 30:S1; https://onlinelibrary.wiley.com/toc/16000838/2020/30/S1

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