Kategorien
Genetik Immunologie Neurologie Onkologie Tumorbiologie Wissenschaft

Hirntumor: Wie sich „gelähmte“ Immunzellen reaktivieren lassen

Diffuse Gliome sind meist unheilbare Hirntumoren, die sich im Gehirn ausbreiten und operativ nur schwer vollständig entfernt werden können. 70% der noch niedriggradigen Tumore besitzen eine so genannte IDH-Mutation, die dazu führt, dass im Enzym Isozitrat-Dehydrogenase ein bestimmter Eiweißbaustein ausgetauscht wird.

Als Konsequenz der IDH-Mutation schütten die Gliomzellen das krebsfördernde Stoffwechselprodukt (R)-2-HG aus, das, so entdeckten deutsche Forscher, einwandernde Makrophagen beeinflusst. Dadurch werden diese Immunzellen gewissermaßen umprogrammiert und blockieren eine Immunantwort gegen den Tumor: Sie schütten Botenstoffe aus, die das Immunsystem bremsen, und beeinträchtigen die Aktivität von T-Zellen – Forscher sprechen von einer „Immunparalyse”. Die IDH-Mutation bewirkt letztendlich, dass sich die Gliome gegen das menschliche Immunsystem schützen können, so Mirco Friedrich vom Universitätsklinikum Heidelberg.
Was Makrophagen in diesen immunsuppressiven Status versetzt, wurde ebenfalls entschlüsselt: Schuld daran ist die Aktivierung eines zentralen Steuerungsmoleküls des Immunsystems, des Aryl-Hydrokarbon-Rezeptors.

Indem die Forscher die Funktion dieses Moleküls mittels eines Wirkstoffes gezielt bremsten, konnte das „gelähmte Immunsystem“ jedoch wieder reaktiviert werden. Diese Substanz, kombiniert mit einer speziellen Immuntherapie (Immun-Checkpoint-Inhibitor) führte im Tiermodell dazu, dass die ansonsten wirkungslose Immuntherapie anschlug und so das Leben der Mäuse mit diesen Tumoren verlängerte.
Die ermutigenden Ergebnisse sollen nun dazu beitragen, Immunreaktionen bei therapeutischen Impfungen gegen Gliome (die auch per se wirksam sind) noch weiter zu verstärken, indem tumorumgebenden Immunzellen gezielt auf die Sprünge geholfen wird.

Referenz:
DKFZ Heidelberg, Universität Freiburg, Universität Mannheim
A vaccine targeting mutant IDH1 in newly diagnosed glioma,
Nature 2021; https://dx.doi.org/10.1038/s41586-021-03363-z

gliom #hirntumor #mutation #idh #immuntherapie #makrophagen #tumormilieu #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva

Kategorien
Neurologie Onkologie Wissenschaft

Molekularer Teufelskreis von Hirntumoren bei Kindern entschlüsselt

Forscher aus Wien und Linz konnten mit Hilfe einer umfassenden molekularen Analyse der Cerebrospinalflüssigkeit wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die Aggressivität des Medulloblastoms, dem häufigsten bösartigen Hirntumor bei Kindern finden.

Mittels modernster massenspektrometrischer Verfahren erfolgte eine Analyse des Protein-, Stoffwechsel- und Blutfett- bzw. Lipidhaushalt des vom Tumor umgebenden Gewebe. Neben dem Nachweis charakteristischer Tumor-Marker wurde festgestellt, dass Tumor-assoziierte Makrophagen (sog. Fresszellen) direkt tumorfördernde Proteine bilden sowie zusätzlich Lipidhormone erzeugen, welche den Stoffwechsel wiederum in Tumor-fördernder Weise verändern. So kann eine Mikroumgebung entstehen, in der die Bildung von Therapie-resistenten Tumorzellen direkt gefördert wird und es, trotz Behandlung, zu einer wiederkehrenden Erkrankung kommen kann. Diese Erkenntnisse geben Hoffnung auf die Entwicklung neuer Therapieansätze.

Referenzen:
Universität Wien, Pressemeldung 2. Juni 2020
https://medienportal.univie.ac.at/…/molekularer-teufelskre…/
Cancers MDPI, published 26 May 2020
https://doi.org/10.3390/cancers12061350

Universität Wien JKU – Johannes Kepler Universität Linz

#hirntumor #medulloblastom #makrophagen #molekularanalyse #neuroonkologie #uniwien #johanneskeplerunilinz #molekularerteufelskreis #medizin #medimpressions

Fotocredit: Canva