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Kinderkrankheiten: Pandemie verursacht Impflücke

Durch nationale Impfprogramme können Kinderkrankheiten wie Diphterie, Keuchhusten oder Kinderlähmung, die in früheren Jahrhunderten zu viel Leid geführt haben, nun relativ gut bewältigt werden. Während der Corona-Krise sind bei Kindern und Jugendlichen jedoch dramatische Impflücken entstanden, warnen Mediziner.

So wurden durch die Covid-19-bedingten Schulschließungen 2020 und 2021 praktisch keine Schulimpfungen durchgeführt und aus Angst vor Ansteckung erfolgten viel weniger Arztbesuche, berichtet Karl Zwiauer, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Mitglied des Nationalen Impfgremiums: „Deshalb gab es ein dramatisches Abfallen der verabreichten Impfungen.“ So wurden etwa in dieser Zeit nur je rund 40 Prozent der verfügbaren Meningokokken- und Hepatitis-B-Seren, sowie 80 Prozent des Bedarfs an Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Polio Vakzinen (Impfstoffen) aus dem Gratis-Kinderimpfkonzept abgerufen.

Leider sorgen viele Eltern als „Impfskeptiker“ nicht ausreichend für den Schutz ihrer Kinder vor schweren Erkrankungen, bedauert auch Reinhold Kerbl von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ): „Laut einer Diplomarbeit modifizieren 44 Prozent aller Eltern den Impfplan gravierend, weil sie glauben, Impfungen auslassen oder verschieben zu müssen.“ Die Ärzte plädieren daher an die Eltern, jeden Arztbesuch zu nutzen, um den Impfstatus der Kinder und Jugendlichen zu überprüfen.

Quelle: Pressemeldung Science APA, 21.9.2021; Pandemie verursachte große Impflücke bei Kinderkrankheiten; https://science.apa.at/power-search/7158107689996135161

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Physische Aktivität der Mutter macht Baby fit

Bewegung während der Schwangerschaft tut offenbar nicht nur werdenden Müttern gut, auch Babys profitieren davon. Eine Studie der Universität Oslo belegt erstmals einen Zusammenhang zwischen der Lungenfunktion der Säuglinge und der körperlichen Aktivität der Mütter während der Schwangerschaft.

In die Studie einbezogen wurden die Daten von 814 Babys, die zwischen 2014 und 2016 in Oslo und Stockholm das Licht der Welt erblickten. Die Forscher baten die Frauen, in der 18. und 34. Schwangerschaftswoche Fragebögen zu ihrer Gesundheit, ihrem Lebensstil, sozioökonomischen Faktoren und ihrer Ernährung auszufüllen. Die Frauen gaben auch an, wie oft, wie lange und mit welcher Intensität sie trainierten. 120 Minuten sportlicher Aktivität pro Woche wurde als aktiv eingestuft; inaktive Mütter nahmen nur an Übungen mit geringer Aktivität teil oder machten überhaupt keine Bewegung. Als die Babys ungefähr drei Monate alt waren, wurden Lungenfunktionsmessungen durchgeführt.

Nach Auswertung der Daten konnten die Forscher zeigen, dass Babys von inaktiven Müttern eher in der Gruppe der Kinder mit der niedrigsten Lungenfunktion zu finden waren als Babys von aktiven Müttern. Frühere Studien belegen bereits, dass Personen mit niedriger Lungenfunktion im Säuglingsalter ein höheres Risiko für Asthma und andere obstruktive Lungenerkrankungen haben.

Referenz:
Universität Oslo
Physical Activity during Pregnancy is associated with lung function in offspring; International Congress of the European Respiratory Society 5.9.2021; https://medicalxpress.com/news/2021-09-physical-pregnancy-linked-lung-function.html

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Kaiserschnitt: kein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen

Verschiedene Studien haben einen Zusammenhang zwischen der Geburt per Kaiserschnitt (Sectio) und dem Auftreten eines erhöhten Risikos für spätere Atemprobleme festgestellt, wobei ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Allergien und Erkrankungen des Atmungssystems postuliert wird. Es wird vermutet, dass Faktoren, die die Entwicklung des Mikrobioms und des Immunsystems des Neugeborenen beeinflussen, eine große Rolle spielen. Hier werden der Kontakt mit dem Mikrobiom der Mutter im Geburtskanal aber auch der Zeitpunkt und die Art des Einsatzes von Antibiotika unter der Geburt, sowie epigenetische Effekte von Stress unter der Geburt erwähnt.

Eine umfangreiche Schweizer Langzeitstudie, die 578 gesunde Termingeborenen einschloss, konnte jedoch keine erhöhten Risiken für Atmungsprobleme nach Kaiserschnittgeburt ermitteln. Bei den Kindern wurden während des ersten Lebensjahres wöchentlich detailliert die Symptome von Atemwegserkrankungen erhoben, sowie im Alter von 6 Wochen eine Lungenfunktion durchgeführt. Nach sechs Jahren wurden die Lungenfunktion, sowie erworbene Erkrankungen des Atmungssystems und die Allergieneigung erhoben. Damit ist diese Studie eine der längsten um umfangreichsten zum Thema, weshalb auch die Aussagekraft der Resultate als hoch eingestuft wird.

Die Ergebnisse im Detail: schon im ersten Lebensjahr konnte kein Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt-Geburten und Erkrankungen des Atmungssystems mehr nachgewiesen werden. Die Lungenfunktionen von Kindern nach Normalgeburt und nach Kaiserschnitt wiesen keinen Unterschied auf, weder 6 Wochen nach Entbindung noch nach sechs Jahren.

Referenz:
Universität BernAre children born by cesarean section at higher risk for respiratory sequelae?, Am J of Obstetrics and Gynecology 2021; https://doi.org/10.1016/j.ajog.2021.07.027

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