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Onkologie Pädiatrie Wissenschaft

Ewing Sarkom: metastasierende Tumorzellen identifiziert

Schweizer Forschenden ist es gelungen, die gefährlichsten Zellen eines aggressiven Knochentumors (Ewing-Sarkom) zu identifizieren und zu charakterisieren. Dieser Krebs, der vor allem Kinder und junge Erwachsene betrifft, besitzt ein besonders hohes Metastasierungspotenzial.

Das Forschungsteam fand unter den Krebszellen ein speziell aktives Gen, von dem bekannt ist, dass es mit einer schlechten Prognose korreliert. Ist dieses Gen aktiv, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Krebszellen im Körper verbreiten und sich Metastasen bilden.

In ihrer Untersuchung entnahmen sie Tumore von Betroffenen und kultivierten diese unter Laborbedingungen. Das Tumormodell (Organoid) ermöglichte es den Forschern, diesen Zellen ein Gen hinzuzufügen, so dass sie ein grün fluoreszierendes Protein produzieren. Metastasierende Krebszellen konnten auf diesem Weg von den Wissenschaftlern eindeutig identifiziert und verfolgt werden. Laut den Untersuchern ein Weg, der jetzt auch bei anderen Tumorarten eingesetzt werden könnte, um aggressive Tumore besser zu verstehen.

„Die Resultate sind ein erster Schritt zur Entwicklung gezielterer Behandlungen“, so Co-Autor Ivan Stamenkovic, Universitätsspital Lausanne (CHUV): „Die Identifizierung des Gens, das mit einem höheren Metastasierungsrisiko korreliert, eröffnet neue Wege für die Forschung: Es sollte möglich sein, das von diesem Gen codierte Protein mit der Behandlung gezielt anzugehen und diese besonders aggressiven Zellen zu eliminieren.“

Referenz:
CHUV, Lausanne
Pressemeldung Schweizerischer Nationalfond, SNF; 14.7.2021
A live single-cell state reporter assay links intra-tumor heterogeneity to metastatic proclivity in Ewing sarcoma, Science Advances 2021; https://advances.sciencemag.org/content/7/27/eabf9394

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Allgemeinmedizin Pädiatrie Wissenschaft

mRNA-Impfstoff nicht in Muttermilch nachweisbar

Corona-Impfungen für stillende Frauen, die einen mRNA-Impfstoff erhalten hatten, sind nach Einschätzung von US-Experten in Hinblick auf die Muttermilch unproblematisch. Wegen der Immunisierung sollten Mütter nicht aufhören zu stillen, schreibt das Forschungseam der University of California San Francisco im Fachblatt „JAMA Pediatrics“.

In der relativ kleinen Studie hatten fünf Probandinnen den mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer und zwei den von Moderna erhalten. Die untersuchten Proben wurden vor der Impfung sowie zwischen vier und 48 Stunden danach entnommen. In keiner der Proben konnte mRNA aus dem Impfstoff nachgewiesen werden. Eine Übertragung auf den Säugling ist daher relativ unwahrscheinlich, schließen die Forscher.

Referenz:
University of California, San Francisco
Science APA, Pressemeldung 6.7.2021; https://science.apa.at/power-search/15566569007076392639
Evaluation of Messenger RNA From COVID-19 BTN162b2 and mRNA-1273 Vaccines in Human Milk, JAMA Pediatrics 2021; https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2781679

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Allgemeinmedizin Pädiatrie Wissenschaft

Häufigkeit der Zöliakie nimmt zu

Laut einer Studie, die am 6. Weltkongress für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung vorgestellt wurde, hat ein Screening bei Kindern im Schulalter zu einer deutlich höheren Zahl von Zöliakiefällen als erwartet, geführt.

Zöliakie (gluteninduzierte Enteropathie) wird dadurch verursacht, dass der Körper Antikörper gegen Gluten produziert, ein Protein, das in Weizen, Gerste und Roggen vorkommt. Diese schädigen die Darmschleimhaut und verursachen Symptome wie Blähungen, Schmerzen, Durchfall, Anämie und andere Erkrankungen, die mit einer Malabsorption von Nährstoffen verbunden sind, einschließlich Müdigkeit, Anämie, Osteoporose und Fruchtbarkeitsproblemen. Bei Säuglingen und Kindern kann die Zöliakie Bauchschmerzen, Blähungen und Erbrechen verursachen sowie zu Wachstumsstörungen und verzögerter Pubertät führen.
Sie ist eine der häufigsten lebenslangen Erkrankungen in Europa. Wirksamste Behandlung ist eine strikte glutenfreie Ernährung.

Das Screening-Programm, das 7760 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren einschloss, ergab eine Zöliakie-Gesamtprävalenz von 1,6 Prozent. „Damit hat sich die Häufigkeit der Zöliakie bei Schulkindern in den letzten 25 Jahren im Vergleich zu den Zahlen unseres Teams in einer ähnlichen Schulaltersgruppe verdoppelt,“ warnt Studienleiterin Elena Lionetti, Universität Ancona: „Im Moment werden 70 Prozent der Zöliakie-Patienten nicht diagnostiziert und diese Studie zeigt, dass deutlich mehr Kinder in einem früheren Stadium identifiziert werden könnten, wenn das Screening im Kindesalter mit nicht-invasiven Screening-Tests durchgeführt würde.“ Eine rechtzeitige Diagnose und eine entsprechende Diät könnte die Darmschäden verhindern, die zur Malabsorption von Nährstoffen und damit zu den langfristigen Erkrankungen wie Wachstumsproblemen oder Osteoporose führen.

Referenz:
Università Politecnica, Ancona
Mass screening for celiac disease in school-age children: the CELI-SCREEN multicenter study, presented at the 6th World Congress of Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition, 4.5.2021

#gluten #zoeliakie #screening #kinder #vorsorge #darm #malabsorption #medizin #medimpressions

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Diagnostik Epigenetik Genetik Onkologie Osteologie Pädiatrie Wissenschaft

Bluttest erkennt kindliche Tumore

Eine Forschungsgruppe der St. Anna Kinderkrebsforschung in Wien hat einen neuen Bluttest entwickelt, der kindliche Tumore anhand ihrer „epigenetischen Fußabdrücke“  (Aktivitätsmuster der Erbsubstanz) erkennt. Dazu analysierten die WissenschaftlerInnen kleine Fragmente der Tumor-DNA im Blut. Mit diesem Ansatz lassen sich kindliche Tumore wie das Ewing-Sarkom, ein Knochentumor, nachweisen.

Der neue Ansatz kann aber auch als prognostischer Marker eingesetzt werden, der überwacht, welche Patientin bzw. welcher Patient auf eine Therapie anspricht. Darüber hinaus könnte er als Vorhersage-Marker während der neoadjuvanten Therapie, also der Therapie vor einer Operation, dienen und eine Dosisanpassung je nach Ansprechen auf die Behandlung ermöglichen. So erhalten die meisten Kinder bzw. Jugendlichen mit Ewing-Sarkomen derzeit eine sehr hoch dosierte Chemotherapie, obwohl einige Patientinnen und Patienten bereits mit einer weniger starken Therapie geheilt werden könnten. Letztere würde ihr Risiko verringern, später an anderen Krebsarten zu erkranken.

Krebszellen in Tumoren teilen sich unentwegt und einige sterben dabei ab. Diese absterbenden Zellen geben ihre DNA häufig in die Blutbahn ab, wo sie zirkuliert und mit genomischen Methoden wie der Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung analysiert werden kann. Solche so genannten Flüssigbiopsie-Analysen stellen eine minimalinvasive Alternative zu herkömmlichen Tumorbiopsien dar, die oft eine Operation erfordern. Nun können molekulare Veränderungen der Tumorzellen laufend mittels Bluttests ermittelt werden. Diese wurden bei Krebs im Kindesalter bisher dadurch begrenzt, dass viele kindliche Tumore nur wenige genetische Veränderungen aufweisen, die in der DNA im Blut nachweisbar wären.

Referenz:
St. Anna Kinderkrebsforschung Wien, CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin
Multimodal analysis of cell-free DNA whole genome sequencing for pediatric cancers with low mutational burden; Nature Comm 2021; https://www.nature.com/articles/s41467-021-23445-w

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Neurologie Pädiatrie Wissenschaft

Sport unterstützt kognitive Entwicklung von Frühgeborenen

Ein zu früher Start ins Leben kann auch im Teenageralter noch Probleme bereiten, wobei sich kognitive Einschränkungen nach wenigen Jahren häufig auswachsen. Kinder, die bereits vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, zeigen allerdings selbst beim Übergang zum Teenageralter noch Unterschiede: sie weisen eine schwächere Impulskontrolle auf. Dies kann zu Nachteilen in der schulischen Leistung führen und hängt mit Verhaltensauffälligkeiten und einer größeren Anfälligkeit für Suchterkrankungen zusammen. Ein schweizerisches Forschungsteam entdeckte jetzt aber, dass frühgeborene Kinder, die sehr gut entwickelte motorische Fertigkeiten hatten, den termingeborenen Kindern in Sachen Impulskontrolle praktisch in nichts nachstanden.

Sie verglichen eine Gruppe von 54 sehr frühgeborenen Kindern im Alter von 9 bis 13 Jahren mit einer Kontrollgruppe gleichaltriger termingeborener Kinder und ließen sie einen sogenannten „Go/NoGo“-Test durchführen, bei dem die Probanden auf ein Signal hin schnellstmöglich einen Knopf drücken müssen, bei einem anderen Signal jedoch nicht. Der Vergleich zeigte, dass die frühgeborenen Kinder durch veränderte Aufmerksamkeitsprozesse den Bewegungsimpuls schwerer unterdrücken konnten.Weitere Untersuchung belegten jedoch auch, dass eine Zunahme bei den motorischen Fertigkeiten, die Einschränkungen bei der Impulskontrolle ausgleichen können.

Die Forscher schließen aus den Ergebnissen, dass ein gezieltes Training der motorischen Geschicklichkeit auch die kognitiven Einschränkungen reduzieren könnte. Insbesondere bei jüngeren Kindern ist die Entwicklung der motorischen und der kognitiven Fähigkeiten eng verknüpft. Das Zeitfenster von 9 bis 13 Jahren könnte daher ein vielversprechender Zeitraum sein, um kognitive Einschränkungen bei sehr frühgeborenen Kindern auszugleichen.

Referenz:
Universität Basel
Very preterm birth and cognitive control: The mediating roles of motor skills and physical fitness, Developmental Cognitive Neuroscience 2021, Doi: 10.1016/j.dcn.2021.100956

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Allgemeinmedizin Infektiologie Intensivmedizin Pädiatrie Wissenschaft

Pandemiemaßnahmen verhindern Hirnhautentzündungen

Ein Forschungsteam des Inselspitals (Universität Bern) verkündete kürzlich eine überraschende Entdeckung: Während der Covid-19-Pandemie gab es in ihrem Versorgungsgebiet keinen einzigen Fall einer enteroviralen Hirnhautentzündung (Meningitis) bei Säuglingen.

Enterovirale Hirnhautentzündungen bei Säuglingen und Kindern werden hauptsächlich fäkal-oral übertragen, das heißt, Erreger aus Fäkalien gelangen durch den Mund in den Organismus, z. B. durch verunreinigtes Trinkwasser.
Aufgrund der Werte aus den Jahren 2010-2019 waren für 2020 gut 20 Säuglinge (0-1 Jahre) mit einer enteroviralen Hirnhautentzündung zu erwarten. Tatsächlich wurde im Pandemiejahr kein einziger positiver Befund bei einem Säugling ermittelt. Auch bei Kindern im Alter von 1 bis 16 Jahren wurde ein drastischer Rückgang verzeichnet. Es ist anzunehmen, dass die Pandemiemaßnahmen für diesen Effekt verantwortlich sind. Dies erstaunt umso mehr, als während des Sommers die Mehrzahl der Pandemiemaßnahmen zurückgefahren oder aufgehoben worden waren.

Bereits bekannt ist, dass Pandemiemaßnahmen zur Einschränkung von SARS-CoV-2 auch Auswirkungen auf das Auftreten anderer viraler Atemwegserkrankungen haben. Die positiven Auswirkungen beziehen sich vorwiegend auf Viren, die über die Atemluft via Tröpfcheninfektion übertragen werden. Das beobachtete vollständige Ausbleiben von enteroviralen Hirnhautentzündungen bei Säuglingen weist nun darauf hin, dass auch Viren, die normalerweise fäkal-oral übertragen werden, mit den Pandemiemaßnahmen an der Ausbreitung gehindert werden. Interessant ist dabei der Umstand, dass während des Sommers nur zwei Maßnahmen durchwegs aufrechterhalten wurden: Die Händehygiene und das Social Distancing. Dagegen waren die Kinderhorte ebenso wie die Schulen geöffnet.

Referenz:
Universität Bern
Striking Decrease of Enteroviral Meningitis in Children During the COVID-19 Pandemic, Open Forum Infectious Diseases/Oxford Academic 2021;
https://academic.oup.com/ofid/advance-article/doi/10.1093/ofid/ofab115/6214893

#hirnhautentzuendung #meningitis #saeugling #viren #pandemie #handhygiene #socialdistancing #medizin #medimpressions

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Pädiatrie Schmerzmedizin Wissenschaft

Kinder wünschen sich eine bessere Schmerzbehandlung

In einer großen Studie hat die Universität Bern in zwölf Zentren und vier europäischen Ländern Untersuchungen zur Schmerzbehandlung während einer Operation bei Kindern durchgeführt. Die Untersuchung (PAIN OUT infant) ging dabei in Bezug auf die Ermittlung von Schmerzen neue Wege. Es wurde nach dem objektiv feststellbaren Schmerz und nach dem vom Patienten erlebten Schmerz gefragt (patient-reported outcome). Dazu gehörte u. a. auch, ob sich das Kind, oder wo nötig die Eltern bzw. Betreuungspersonen, in den zurückliegenden ersten 24 Stunden nach der Operation „mehr Mittel gegen Schmerzen“ gewünscht hätte.

Das Ergebnis der Studie, die insgesamt 938 Kinder involvierte, zeigte ein großes Bedürfnis nach einer besseren Schmerzbehandlung. Die Analyse der Daten ergab bei fast jedem vierten Kind einen Optimierungsbedarf nach einer Blinddarm- oder Mandeloperation aufgrund von schmerzbedingten Schlafstörungen und Bewegungseinschränkungen. Kinder, die sich „mehr Mittel gegen Schmerzen“ wünschten, berichteten häufiger über Einschränkungen und erhielten postoperativ höhere Opioiddosen.

Die Auswertung der Daten zeigte jedoch auch ein überraschendes Resultat: das Forschungsteam entdeckte eine Möglichkeit den Einsatz opioidhaltiger Schmerzmittel nach der Operation zu vermindern. Es zeigte sich nämlich, dass Kinder, bei denen vorsorglich eine Gabe von mindestens zwei verschiedenen Klassen von Nicht-Opioid-Analgetika (NSAR, Metamizol oder Paracetamol) erfolgte, bei der Befragung 24 Stunden nach dem Eingriff deutlich seltener den Wunsch nach mehr Schmerzbehandlung äußerten. Im nächsten Schritt geht es jetzt darum, den Zusammenhang der vorsorglichen Schmerzbehandlung mit einem geringeren postoperativen Bedarf genauer zu untersuchen und gegebenenfalls zu optimieren.

Referenz:
Universität Bern
Desire for more analgesic treatment: pain and patient-reported outcome after paediatric tonsillectomy and appendectomy; Brit J Anaesthesia 2021; https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0007091221000830

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Chirurgie Pädiatrie Wissenschaft

Erster Lymphknotentransfer bei einem Kind

Lymphödeme sind sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlungen im Zwischenzellraum. Sie entstehen, wenn das Lymphgefäßsystem die Lymphe nicht ausreichend abtransportieren kann. In der Folge entstehen stetig zunehmende Schwellungen. Die klassische Therapie, eine Kompressionsbehandlung bzw. Lymphdrainage, fördert zwar den Abfluss der Lymphe, kann aber die Ursache nicht beheben. Hier setzt die gezielte Transplantation von Lymphknoten an. Bei Kindern ist diese Operation bis jetzt nicht etabliert. Diese wurde nun jedoch – erstmals in der Schweiz – bei einem Kind vorgenommen.

Die Spezialisten waren sich einig, dass der Fall schwerwiegend genug ist, um die operative Behandlung zu wagen.Der Eingriff dauerte insgesamt fünfeinhalb Stunden, wobei im ersten Schritt ein Lymphknotenpaket laparoskopisch aus dem Bauchraum gelöst werden musste. Dieser Teil der Operation ist beim Kind erheblich komplexer als bei einer erwachsenen Person. Im Anschluss wurde das entnommene Lymphknotenpaket unter dem Mikroskop minimalinvasiv an die Gefäße in der Leiste des erkrankten Beins angeschlossen.

„Eine besondere Herausforderung war, dass das Kind einen inkompletten situs inversus hatte,“ so Nicole Lindenblatt, die leitende plastische Chirurgin. Das bedeutet, dass die Organe im Bauch seitenverkehrt angeordnet sind. Auch mikrochirurgisch war die Operation anspruchsvoll, weil alle Gefäße noch kleiner sind als bei Erwachsenen: Die Arterie misst z.B. nur gerade 1.5 bis 2 Millimeter. Bei der ersten Nachkontrolle nach knapp zwei Wochen, zeichneten sich aber bereits erste Effekte ab, berichten die Forscher. Das Bein war messbar schlanker und die Flüssigkeit im Bein nahm um 370ml ab, was darauf hindeutet, dass die neuen Lymphknoten wahrscheinlich schon Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportieren. Jetzt hofft man auf langfristige Effekte, die sich aber erst in einigen Monaten zeigen werden.

Referenz:
Universität Zürich
Medienmitteilung USZ Zürich: Erster Lymphknotentransfer bei einem Kind in der Schweiz, 25.3.2021

#lymphoedem #kind #lymphknotentransfer #lymphsystem #operation #laparoskopie #pädiatrie #medizin #medimpressions

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Molekulare Medizin Neurologie Pädiatrie Wissenschaft

Neuroblastom: Welcher Faktor begünstigt Rückfälle?

Neuroblastome sind nach Hirntumoren die häufigsten soliden Tumoren bei Kindern und entstehen aus unreifen Vorläuferzellen des Nervensystems. In einigen Fällen bilden sich Neuroblastome ohne jegliche Therapie komplett zurück. Bei etwa der Hälfte der Patienten kann jedoch auch eine hochintensive Therapie das Wachstum nicht verhindern.

Bösartige Neuroblastome nutzen einen Trick, um unendlich teilungsaktiv zu bleiben: Sie verlängern ihre Chromosomenenden (Telomere), so dass die Zellen quasi „unsterblich“ werden. Auf molekularer Ebene machen Krebszellen das auf zwei Wegen, sie überaktivieren das Enzym Telomerase oder sie verlängern die Chromosomenenden durch Neuanordnung ihrer Telomerabschnitte (alternativer Mechanismus). In beiden Fällen haben die jungen Patienten eine schlechte Prognose.

Das bestätigten auch die Daten von 760 Neuroblastom-Patienten einer eben publizierten Studie. Sie zeigt, dass bei fast der Hälfte der Patienten nicht die Überaktivierung der Telomerase, sondern der alternative Mechanismus für die Telomerverlängerung verantwortlich ist. Die Wissenschaftler untersuchten auch erstmals, welche molekularen Prozesse diesen speziellen Verlängerungsmechanismus begünstigen.

Die Erkenntnisse daraus könnte man nutzen, um bessere Therapien zu entwickeln. Bisher werden die jungen Patienten alle mit den gleichen Chemotherapie-Protokollen behandelt. Diese Therapien greifen vor allem schnell wachsende Krebszellen an. Krebszellen mit dem alternativen Mechanismus wachsen aber eher langsam, sind extrem widerstandsfähig und kehren wieder. Im nächsten Schritt wird nun daran gearbeitet, eine spezifische Therapie für diese Tumoren zu entwickeln, die vielleicht auch bei anderen Krebsarten, die diesen Telomer-Verlängerungsmechanismus nutzen, zum Einsatz kommen könnte.

Referenz:
DKFZ, KiTZ, Heidelberg; Universität HD
Alternative lengthening of telomeres in childhood neuroblastoma from genome to proteome; Nature Communications 2021; https://www.nature.com/articles/s41467-021-21247-8

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Ophthalmologie Pädiatrie Wissenschaft

Lockdowns machen kurzsichtig

Lockdowns und Schulschließungen verstärken offenbar die Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern. Zu diesem Ergebnis kommen Reihenuntersuchungen an fast 130.000 Schulkindern in China. So hat sich die Sehkraft der Sechs- bis Achtjährigen im Jahr 2020 im Schnitt um 0,3 Dioptrien verschlechtert, um 1,4 bis dreimal stärker als in den Vorjahren. Bei den neun- bis 13-Jährigen war der Effekt etwas geringer, ihre Augen verschlechterten sich im Schnitt nur um -0,1 Dioptrien. Der Anteil der Kurzsichtigen pro Jahrgang stieg bei den Sechsjährigen von 5,7 Prozent im Jahr 2019 auf 21,5 Prozent im Jahr 2020, bei den Achtjährigen erhöhte sich der Anteil von 27,7 Prozent auf 37,2 Prozent. Die Häufigkeit lag damit in allen Altersklassen höher als je zuvor und zeigte sich in beiden Geschlechtern, bei beiden Augen.

Als Ursache der Fehlsichtigkeit wird ein verkürzter Aufenthalt im Freien angeführt – Kinder verbrachten im letzten Jahr viel mehr Zeit drinnen und vor Bildschirmen als draußen an der frischen Luft. Durch die Computerarbeit und das viele Lesen wächst der Augapfel der Kinder stärker und verlängert sich. Dadurch entsteht das schärfste Bild nicht auf, sondern vor der Netzhaut. Bewegen sich Kinder dagegen viel im Freien, hemmt die im Sonnenlicht enthaltene UVB-Strahlung die Freisetzung von Botenstoffen, die auf die Augäpfel einwirken.

Die Wissenschaftler empfehlen allen Eltern, während der Lockdowns und des Heimunterrichts darauf zu achten, für ihre Kinder genügend Zeit an der frischen Luft einzuplanen und die Zeit vor dem Bildschirm zu begrenzen. Augen erholen sich auch, wenn sie in die Ferne schweifen können.  
Ob sich die Verschlechterung der Kurzsichtigkeit umkehren lässt und wie sich die Sehkraft in den verschiedenen Altersgruppen weiter entwickelt, soll nun ebenfalls untersucht werden.

Referenz:
Emory University, Atlanta; General Hospital, Tianjin
Progression of Myopia in School-Aged Children After COVID-19 Home Confinement, JAMA Ophthalmology 2021,
https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/fullarticle/2774808

#myopathie #kurzsichtigkeit #kinder #auge #sehkraft #pandemie #computerarbeit #medizin #medimpressions

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