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Schlaganfall: Thrombolyse hilft auch nach 4,5 Stunden

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnte in einer Meta-Analyse den Erfolg der sogenannten Thrombolyse bei Schlaganfallpatienten bestätigen. Die Auswertung von vier verschiedenen Studien hat gezeigt, dass Patienten, die im Schlaf einen Schlaganfall erleiden und die Symptome erst nach dem Aufwachen am nächsten Morgen feststellen, von einer Wiedereröffnung verstopfter Blutgefäße durch die Gabe eines Medikaments (Alteplase, rtPA) profitieren. So überstehen mehr Patienten einen Schlaganfall ohne bleibende neurologische Ausfälle oder Behinderung. Insgesamt könnte die Zahl der Patienten, die mit einer Thrombolyse behandelt werden können, um etwa 20 Prozent erhöht werden“, erklärt Studienleiter Götz Thomalla.

Lange Zeit erfolgte eine medikamentöse Behandlung nur dann, wenn der Zeitpunkt des Symptombeginns bekannt war und nicht länger als 4,5 Stunden zurücklag. In der WAKE-UP-Studie gelang den Forschenden im UKE vor zwei Jahren der Nachweis, dass eine Thrombolyse sicher und effektiv ist, wenn geeignete Patienten mittels MRT-Diagnostik ausgewählt werden, auch ohne den Zeitpunkt des Schlaganfalls zu kennen.

In der Zwischenzeit wurden neben der europäischen WAKE-UP-Studie auch in Asien, Australien und Europa Studien mit vergleichbaren Behandlungsansätzen durchgeführt. In der nun veröffentlichten Meta-Analyse werteten die Forscher 843 Patientendaten aus vier klinischen Studien (WAKE-UP, EXTEND, THAWS, ECASS-4) aus. Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Auswertung mehrerer internationaler Studien bedeuten eine noch größere Sicherheit und Überzeugungskraft hinsichtlich dieser Behandlung und werden die Aufnahme der Behandlungsmethode in die medizinischen Leitlinien unterstützen.

Referenzen:
Intravenous alteplase for stroke with unknown time of onset guided by advanced imaging: systematic review and meta-analysis of individual patient data; Lancet 8.11.2020; https://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(20)32163-2.pdf

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Molekulare Medizin Wissenschaft

Spezifisches Steuerungsmolekül in Blutplättchen entdeckt

Blutplättchen (Thrombozyten) werden durch Kalzium aktiviert und tragen zur Blutstillung und zum Wundverschluss bei. Allerdings kann eine fehlgeleitete Aktivierung zu akut lebensbedrohlichen Ereignissen wie etwa Thrombosen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen.

Forscher der Universität Würzburg konnten in einer aktuellen Studie das bislang weitgehend unbekannte Molekül namens bridging integrator 2 (BIN2) identifizieren, welches bei der Aktivierung der Blutplättchen eine zentrale Rolle spielt. Bisher war vor allem das Molekül stromal interaction molecule 1 (STIM1) als essentieller Baustein bei der Regelung von Kalziumsignalen bekannt.

Das Besondere an BIN2 ist, dass es nicht wie STIM1, in vielen anderen Zellen, sondern sehr spezifisch in Blutplättchen vorkommt, was eine zielgenaue Ansteuerung von Thrombozyten ermöglicht, ohne die Funktionen in anderen Zellen zu stören. Die Forscher stellten darüber hinaus fest, dass Mäuse ohne BIN2 stark reduzierte Kalziumsignale in den Thrombozyten aufweisen und dadurch vor arterieller Thrombose und schweren Verläufen des Schlaganfalls geschützt sind. Diese Erkenntnisse liefern wichtige Hinweise auf mögliche Ansatzpunkte für die Medikamentenentwicklung gegen Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Referenzen:
Universität Würzburg
https://www.uni-wuerzburg.de/rvz/neuigkeiten/single/news/spezifisches-steuerungsmolekuel-in-blutplaettchen-identifiziert/
Originalpublikation: The Journal of Clinical Investigation, https://doi.org/10.1172/JCI136457

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Epigenetik Kardiologie Leben Onkologie Wissenschaft

Herzprobleme fördern Rückkehr von Brustkrebs

Bei Überlebenden von Brustkrebs im Frühstadium erhöhen kardiovaskuläre Ereignisse wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall das Risiko eines erneuten Auftretens von Krebs und das Risiko an Krebs zu sterben, um mehr als das Doppelte. Das ergab eine amerikanische Untersuchung an 1.700 Patientinnen.

Bekannt ist, dass Krebsüberlebende im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben, da Chemo- und Strahlentherapie das Herz, die Blutgefässe und das Immunsystem nachhaltig beeinflussen. Diese Studie beweist, dass auch das Gegenteil zutrifft – dass sich auch kardiovaskuläre Ereignisse negativ auf die Krebsentwicklung auswirken.

So zeigen nachfolgende Laboruntersuchungen eines präklinischen Modells, dass ein Herzinfarkt eine immunsuppressive Wirkung auf Knochenmarkszellen ausübt. Dieser sorgt für eine zweifache Zunahme der Wachstumsrate und des Volumens an Krebszellen. Schuld daran scheint eine Veränderung der Zusammensetzung von Immunzellen zu sein, so die Forscher. Kardiovaskuläre Ereignisse fördern die Entwicklung bestimmter Monozyten mit immunschwächender Wirkung. „Wir glauben, dass ein Herzinfarkt eine epigenetische Reprogrammierung im gesamten Genom verursacht,“ meinen die Wissenschaftler, die auch davon ausgehen, dass sich die Ergebnisse auf andere Krebsarten übertragen lassen.

Für Brustkrebspatientinnen bedeuten die Daten, dass sie nach dem Überleben der Krebserkrankung besonders auf eine genaue Überwachung kardiovaskulärer Risikofaktoren achten sollten.

Referenzen:
New York University School of Medicine; McGill University, Canada; Memorial Sloane Kettering Cancer Center NY; University of Illinois
Koelwyn GJ et al.: Nature Medicine 13. July 2020; Myocardial infarction accelerates breast cancer via innate immune reprogramming,
DOI https://doi.org/10.1038/s41591-020-0964-7

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Neurologie Therapie Wissenschaft

Kürzere Beatmungszeit verbessert Prognose bei Schlaganfall

Bei Schlaganfällen geht es darum, das Gerinnsel so schnell wie möglich zu beseitigen, um schwere bleibende Schäden oder im schlimmsten Fall den Tod verhindern zu können. Wenn große Gerinnsel die Hirngefäße verstopfen, steht die Möglichkeit der mechanischen Thrombektomie per Katheter zur Verfügung.

Experten der Med-Uni Graz stellten nun in einer aktuellen Studie mit 450 Schlaganfallpatienten fest, dass für den Krankheitsverlauf und die Genesung auch die Dauer der künstlichen Beatmung nach dem Eingriff eine wichtige Rolle spielt. „Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass eine kürzere Beatmungszeit mit einer besseren Prognose und geringeren Langzeitfolgen des Schlaganfalls verbunden war“, so Dr. Fandler-Höfler von der Uniklinik für Neurologie.

In einer weiteren Untersuchung erkannten die Forscher, dass auch der Blutdruck eine wichtige Rolle spielt. Hier zeigte sich, dass ausgeprägte Blutdruckabfälle während des Eingriffs mit einer schlechteren Prognose verbunden sind.

In weiteren Forschungsvorhaben zur verbesserten und individualisierten Schlaganfallbehandlung will man die Gehirndurchblutung nach Thrombektomie mittels Ultraschall und Magnetresonanztomographie näher untersuchen, prognoserelevante Blut-Biomarker finden und den Einfluss von Begleiterkrankungen wie Nieren- und Leberfunktionsstörungen auf Schlaganfallpatienten beleuchten.

Referenzen:
Pressemitteilung Medizinische Universität Graz, 23. Juni 2020

S. Fandler-Höfler, S. Heschl, M. Kneihsl et al.: „Ventilation time and prognosis after stroke thrombectomy: the shorter, the better!“, European Journal of Neurology https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/ene.14178

S. FAndler-Höfler, S. Heschl, P. Argüelles-Delgado et al: „Single mean arterial blood pressure drops during stroke thrombectomy under general anaesthesia are associated with poor outcome“, Journal of Neurology https://link.springer.com/article/10.1007/s00415-020-09701-x

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