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Katarakt-OP senkt das Demenzrisiko

Beim Katarakt (grauer Star) handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse, die zumeist im fortgeschrittenen Alter auftritt. Betroffene sehen zunehmend unscharf, nehmen Farben matter dar und reagieren empfindlich auf Licht. Behandelt wird ein Katarakt in erster Linie durch eine (Laser)Operation, bei der auch eine neue Linse aus Plastik oder Silikon (Intraokularlinse) eingesetzt wird.

Eine amerikanische Studie an über 5000 Teilnehmern über 65 Jahren zeigt jetzt, dass die Operation nicht nur das Sehvermögen verbessert, sondern auch vor einer Demenz schützen kann. Demnach haben Personen, die sich einer Kataraktoperation beider Augen unterzogen hatten, für mindestens zehn Jahre nach ihrer Operation eine um 30% reduzierte Wahrscheinlichkeit an irgendeiner Form von Demenz zu erkranken. Die Forscher vermuten, dass die sensorischen Reize des Sehvorgangs das Gehirn vermehrt stimulieren und schützend wirken. Bestimmte Netzhautzellen sind auch mit der Regulation des Schlafzyklus verbunden, welches ebenfalls einen Einfluss haben könnte.

Das Forschungsteam konnte zuvor bereits belegen, dass auch eine weitere degenerative Netzhauterkrankung, die altersbedingte Makuladegeneration, das Demenzrisiko erhöht, sofern es nicht chirurgisch behandelt wird. Kein Zusammenhang zeigte sich hingegen zu einer anderen Netzhauterkrankung, die ebenfalls einer chirurgischen Intervention bedarf. Bei Patienten, die sich einer Glaukom-Operation unterzogen hatten, zeigte sich postoperativ keine Verminderung des Demenzrisikos

Referenz:
University of Washington, Seattle
Association Between Cataract Extraction and Development of Dementia, JAMA 2021; https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2786583

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Wie das Gehirn die Schönheit von Landschaften erkennt

Wie wird ein Blick in die Natur zu einem beeindruckenden Erlebnis? Dieser Frage hat sich ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik angenommen und untersucht, wie das Gehirn vom bloßen Sehen einer Landschaft zu deren ästhetischer Wirkung gelangt.

In der Studie präsentierten die Forscher den 24 teilnehmenden Personen Videos von schönen (künstlich kreierten) Landschaftsaufnahmen und maßen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) ihre Gehirnaktivität. „Wir hätten erwartet, dass sich die ästhetischen Signale auf die Belohnungssysteme des Gehirns beschränken würden, aber überraschenderweise fanden wir sie bereits in den visuellen Regionen. Die Aktivierungen fanden direkt neben Bereichen im Gehirn statt, die für die Identifizierung physikalischer Eigenschaften in Filmen zuständig sind, wie beispielsweise das Layout einer Szene oder das Vorhandensein von Bewegung,“ berichtet Erstautorin Ayse Isik.
Seniorautor Edward Vessel vermutet, dass diese Signale eine frühe, elementare Form des Schönheitsempfindens widerspiegeln könnten: „Wenn wir etwas sehen, das unsere Erwartungen übersteigt, erzeugen lokale Bereiche des Gehirns kleine ‚Atome‘ eines positiven Affekts. Die Kombination vieler solcher Überraschungssignale im gesamten visuellen System summiert sich dann zu einer ästhetisch ansprechenden Erfahrung.“

Mit diesen Erkenntnissen leistet die Studie einen Beitrag zu unserem Verständnis von Schönheit und könnte auch erklären, wie Interaktionen mit der natürlichen Umgebung unser Wohlbefinden beeinflussen. Dies könnte für eine Vielzahl von Bereichen relevant sein, in denen die Verbindung von Wahrnehmung und Emotion wichtig ist, wie beispielsweise die klinische Gesundheitsversorgung oder die künstliche Intelligenz.

Referenz:
Max-Planck-Institut, Frankfurt
From Visual Perception to Aesthetic Appeal: Brain Responses to Aesthetically Appealing Natural Landscape Movies, Front. Hum. Neuroscience; https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnhum.2021.676032/full

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