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Tuberkulose: Wann ist eine Behandlung zu Ende?

Die Behandlung der Tuberkulose (TB) ist lang, belastend und teuer. Insbesondere das Auftreten von resistenten Tuberkulosebakterien erfordert einen langen Atem: Die WHO empfiehlt in diesen Fällen meist pauschal eine Therapiedauer von mindestens 18 Monaten, da es keine zuverlässigen Biomarker für einen vorzeitigen Stopp gibt. PatientInnen bei denen die Standardtherapie anschlägt, können unter Umständen aber nach sechs Monaten austherapiert sein. Wann sollte die mitunter nebenwirkungsreiche und belastende Therapie also ausgesetzt werden? Vor dieser Frage stehen MedizinerInnen immer wieder aufs Neue, denn der fehlende Nachweis des Tuberkuloseerregers Mycobacterium tuberculosis ist keine Gewähr für eine dauerhafte Heilung der Lungeninfektion.

Gemeinsam mit internationalen Tuberkulosezentren konnten deutsche Forschende nun nach sechs Jahren Forschungsarbeit und anhand von Patientenkohorten ein Modell für das Therapieende entwickeln, das auf einer RNA-Bestimmung im Blut beruht. Es konnten aus vielen Tausend Genen 22 identifiziert werden, deren Aktivität mit dem Krankheitsverlauf korreliert. Dieser Biomarker könnte eine klare Auskunft darüber geben, ob der Patient geheilt ist und eine Behandlung gefahrlos verkürzt werden kann.

Für die Identifizierung dieses individuellen Biomarkers haben die WissenschaftlerInnen fünf unterschiedliche Patientenkohorten aufgebaut. Dabei handelte es sich in allen Fällen um Erwachsene, die an Lungentuberkulose erkrankt waren, zum Teil an nicht-resistenten, z. T. an resistenten Formen. Im nächsten Schritt soll der Biomarker nun in der klinischen Routine eingesetzt und weiterhin getestet werden.

Referenz:
Research Center Borstel; Universität Lübeck, Karolinska Institut, Stockholm, Max Planck Institut Berlin, München; Kepler Universität, Linz
Prediction of anti-tuberculosis treatment duration based on a 22-gene transcriptomic model,
European Respiratory Journal 2021; https://erj.ersjournals.com/content/early/2021/01/28/13993003.03492-2020.long

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Neuer Tuberkulose-Test bestimmt Resistenzen schnell und aussagekräftig

Die Tuberkulose ist weltweit die tödlichste bakterielle Infektionskrankheit. Eine globale Tuberkulose-Kontrolle wird vor allem durch das Auftreten mehrfach-resistenter Mykobakterien-Stämme erschwert und erfordert somit eine rasche Bestimmung umfassender Resistenzprofile zu Therapiebeginn. Internationale Forscher unter der Leitung des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben nun ein neues Testverfahren untersucht, um resistente Tuberkulosestämme schneller bestimmen und somit effektiver behandeln zu können.

Mit dem neuartigen „deep-sequencing assay“ (Deeplex®-MycTB) der 18 resistenz-vermittelnde Regionen im mykobakteriellen Genom abdeckt, wurden direkt mit Resistenzen im Zusammenhang stehende Bereiche des Erbguts vervielfältigt und dann der genetische Code aufgeschlüsselt. Der Test zeigte im Vergleich mit klassischen Ganzgenom-Sequenzdaten Übereinstimmungen im Bereich von 98 %, im Vergleich mit phänotypischen Resistenzdaten Übereinstimmungen von > 95 % für Erstrangmedikamente und von 70-100 % für Zweitrangmedikamente.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das neue Testverfahren rasche und vielversprechende Resultate liefert und in Zukunft eine wichtige Rolle in der Diagnostik spielen könnte.

Referenzen:
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB), Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Pressemitteilung
Rapid genomic first-and second-line drug resistance prediction from clinical Mycobacterium tuberculosis specimens using Deeplex®-MycTB. Eur Respir J 2020. DOI: 10.1183/13993003.01796 2020 https://doi.org/10.1183/13993003.01796-2020

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Tuberkulose Impfstoff gegen COVID-19?

Ein vor 100 Jahren entwickeltes Tuberkulose-Vakzin macht Geimpfte auch für andere Infektionen unempfindlicher. Dieser Effekt ist lange bekannt, nicht jedoch, wodurch er verursacht wird. Wissenschaftler der Universitäten Nijmegen und Bonn haben nun eine mögliche Antwort auf diese Frage vorgelegt.

Der BCG-Impfstoff (Bacillus Calmette-Guérin) deren Basis lebendige Erreger bilden, führt zu einer „trainierten Immunität“. So schütten die Immunzellen im Blut von Geimpften deutlich mehr Zytokine aus, die wiederum andere andere Abwehrzellen aktivieren. Dazu beeinflusst die Impfung das genetische Programm hämatopoetischer Stammzellen- und das langfristig. Interessant ist zudem ein weiterer Aspekt: Die meisten der Gene, die nach der Impfstoff-Gabe leichter zugänglich werden – werden zusätzlich durch den „hepatic nuclear factor“ kontrolliert. Das sorgt dafür, dass die Immunzellen ihre neu gewonnene Macht „mit Augenmaß“ nutzen, so Studienautor Prof. Andreas Schlitzer, Uni Bonn: „Möglicherweise lässt sich diese Erkenntnis therapeutisch nutzen, um die trainierte Immunität gezielt zu manipulieren“.

Die Ergebnisse sind auch vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie interessant: Momentan wird der Impfstoff in mehreren Studien zur Verhinderung schwerer Verläufe bei Risikogruppen wie Krankenhaus-Personal und Älteren getestet. Eine Impfung kann zwar vermutlich nicht die Ansteckung mit dem Virus verhindern, aber möglicherweise das Risiko eines schweren Verlaufs reduzieren.

Referenzen:
Limes Institut Universität Bonn
https://www.uni-bonn.de/neues/135-2020
BCG vaccination in humans elicits trained immunity via the hematopoietic progenitor compartment; Cell Host & Microbe, DOI: 10.1016/j.chom.2020.05.014

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