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Häufigkeit der Zöliakie nimmt zu

Laut einer Studie, die am 6. Weltkongress für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung vorgestellt wurde, hat ein Screening bei Kindern im Schulalter zu einer deutlich höheren Zahl von Zöliakiefällen als erwartet, geführt.

Zöliakie (gluteninduzierte Enteropathie) wird dadurch verursacht, dass der Körper Antikörper gegen Gluten produziert, ein Protein, das in Weizen, Gerste und Roggen vorkommt. Diese schädigen die Darmschleimhaut und verursachen Symptome wie Blähungen, Schmerzen, Durchfall, Anämie und andere Erkrankungen, die mit einer Malabsorption von Nährstoffen verbunden sind, einschließlich Müdigkeit, Anämie, Osteoporose und Fruchtbarkeitsproblemen. Bei Säuglingen und Kindern kann die Zöliakie Bauchschmerzen, Blähungen und Erbrechen verursachen sowie zu Wachstumsstörungen und verzögerter Pubertät führen.
Sie ist eine der häufigsten lebenslangen Erkrankungen in Europa. Wirksamste Behandlung ist eine strikte glutenfreie Ernährung.

Das Screening-Programm, das 7760 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren einschloss, ergab eine Zöliakie-Gesamtprävalenz von 1,6 Prozent. „Damit hat sich die Häufigkeit der Zöliakie bei Schulkindern in den letzten 25 Jahren im Vergleich zu den Zahlen unseres Teams in einer ähnlichen Schulaltersgruppe verdoppelt,“ warnt Studienleiterin Elena Lionetti, Universität Ancona: „Im Moment werden 70 Prozent der Zöliakie-Patienten nicht diagnostiziert und diese Studie zeigt, dass deutlich mehr Kinder in einem früheren Stadium identifiziert werden könnten, wenn das Screening im Kindesalter mit nicht-invasiven Screening-Tests durchgeführt würde.“ Eine rechtzeitige Diagnose und eine entsprechende Diät könnte die Darmschäden verhindern, die zur Malabsorption von Nährstoffen und damit zu den langfristigen Erkrankungen wie Wachstumsproblemen oder Osteoporose führen.

Referenz:
Università Politecnica, Ancona
Mass screening for celiac disease in school-age children: the CELI-SCREEN multicenter study, presented at the 6th World Congress of Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition, 4.5.2021

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70 Prozent weniger Todesfälle durch Darmkrebsvorsorge

Ein Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs) entwickelt sich meist über viele Jahre hinweg aus Vorstufen, die bei einer Darmspiegelung entdeckt und entfernt werden können. Inzwischen ist seit der Einführung des Koloskopie-Screenings genug Zeit vergangen, um präzise zu analysieren, wie effizient dieses Vorsorge-Angebot Krebsneuerkrankungen und Krebssterblichkeit zurückdrängt.

Dazu werteten Epidemiologen nun die Daten von über 9000 Teilnehmern aus, die zwischen 2000 und 2002 in einer im Saarland durchgeführten Studie rekrutiert worden waren. Die Studienteilnehmer wurden in regelmäßigen Abständen nach ihrem Befinden und ihrem Lebensstil gefragt, ihre Behandlungs- und Krebsregisterdaten wurden erfasst. Nach einer Beobachtungszeit von rund 17 Jahren waren unter den Studienteilnehmern 268 Fälle von Darmkrebs aufgetreten, 98 Teilnehmer waren an Darmkrebs verstorben.

Diejenigen, die eine Vorsorge-Koloskopie wahrgenommen hatten, hatten ein um 60 Prozent niedrigeres Risiko einer Darmkrebsdiagnose als Studienteilnehmer, die das Vorsorge-Angebot nicht genutzt hatten. Das Risiko, an Darmkrebs zu sterben, war in der Screening-Gruppe in den 10 Jahren nach der Koloskopie sogar um 75 Prozent niedriger.

„Die Studie untermauert, welchen Beitrag die Vorsorge-Koloskopie im echten Leben zur Krebsprävention leistet“, so die Forscher. Bisher gab es dazu weltweit nur sehr wenige Studien, die zudem fast ausschließlich aus den USA stammen, wo die Koloskopie bereits früher in größerem Umfang eingesetzt wurde. Allerdings nutzt auch die beste Früherkennungsuntersuchung nur wenig, wenn sie nicht ausreichend wahrgenommen wird, so die Experten weiter.  Noch immer ließen sich die meisten Darmkrebs-Todesfälle durch eine Vorsorgeuntersuchung vermeiden.  

Referenz:
DKFZ
Strong reduction of colorectal cancer incidence and mortality after screening colonoscopy: prospective cohort study from Germany; Am J Gastroenterology 2021; https://journals.lww.com/ajg/Abstract/9000/Strong_Reduction_of_Colorectal_Cancer_Incidence.98954.aspx

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