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Hautkrebs: Immuntherapie vor zielgerichteter Therapie

Bei der Behandlung von Hautkrebs (malignes Melanom) oder auch anderen Tumoren ist es üblich, zielgerichtete Strategien gegen Krebszellen einzusetzen. Dabei werden medikamentöse Wirkstoffe (Proteinkinase-Inhibitoren) eingesetzt, die sich direkt gegen das Wachstum von Tumorzellen richten. Verliert die Ersttherapie an Wirkung, kommt in Folge eine Immuntherapie zum Zug, die aber auch nicht immer zum Erfolg führt, denn die Tumore wachsen oft weiter.

Ein Forschungsteam rund um Anna Obenauf vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien, hat diese Strategie nun bei Mäusen mit Hauttumoren angewendet. Im Ergebnis entwickelten 75 -80% aller Mäuse eine Resistenz gegenüber der Ersttherapie. Gleichzeitig beeinflusste die Therapie die Zusammensetzung der Immunzellen im Tumor. Es kam zu einer ausgeprägten Abnahme und einem Funktionsverlust von dendritischen Zellen, die eine wichtige Rolle in der Immunabwehr ausüben. Fehlen diese, kann auch eine nachfolgende Immuntherapie wenig ausrichten, da das Immunsystem nicht richtig „angekurbelt“ werden  und sich damit auch nicht gegen den Tumor richten kann.

Die Resultate sprechen laut den Forschern dafür, zielgerichtete Therapien nur sehr kurz einzusetzen und diese zu beenden, bevor Resistenzen entstehen oder bei früh entdeckten Tumoren eine Immuntherapie vorzuziehen. Erstautorin Lisa Haas: „Die gute Nachricht ist, dass wir derzeit auch daran arbeiten,c Strategien zu entwickeln, die dendritische Zellen aktivieren, um so die Wirksamkeit der Immuntherapie zu verbessern.

Referenz:
IMP Wien, CHUV Lausanne, ICR London, Sydney University
Acquired resistance to anti-MAPK targeted therapy confers an immune-evasive tumor microenvironment and cross-resistance to immunotherapy in melanoma, Nature Cancer 2021; https://www.nature.com/articles/s43018-021-00221-9

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Zielgerichtete Therapie für mehrere Krebsarten

Zum zweiten Mal hat ein zielgerichtetes, spezifisch gegen ein bestimmtes Merkmal von Tumoren gerichtetes Medikament in Europa eine Zulassung für die Behandlung gleich mehrerer Krebsarten erhalten. Entrictinib blockiert eine Tyrosinkinase-Enzym, das bei verschiedenen Krebsformen vermehrt vorkommen kann.

Es kann bei Patienten mit soliden Tumoren, die eine neurotrophe Tyrosinrezeptorkinase (NTRK)-Genfusion bilden, die eine lokal fortgeschrittene, metastasierte Erkrankung aufweisen oder bei der eine chirurgische Resektion wahrscheinlich zu schwerer Krankheitslast führt, und die bisher keinen NTRK-Inhibitor erhalten haben, bzw. für die keine zufriedenstellende Behandlungsmöglichkeiten vorliegen, zur Anwendung kommen.

In Studien zeigte sich, dass Patienten unter der Behandlung mit dem NTRK-Hemmer zu einem Anteil von mehr als 60 Prozent auf die Therapie mit einem Rückgang der Tumorlast ansprachen. Die Wirkung hielt im Mittel fast 13 Monate an. Insgesamt wurde Entrictinib bei 13 verschiedenen Tumorarten ausgetestet. Allerdings weisen nur etwa ein Prozent der Tumore NTRK-Mutationen auf. Auch für die Behandlung von sogenannten ROS-1-positiven nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen wurde das neue Medikament zugelassen.

Entrictinib erhielt eine bedingte Zulassung – dies bedeutet, dass weitere Daten über Wirksamkeit und Nebeneffekte bzw. Sicherheit geliefert werden müssen und die Beobachtung über die eigentliche Zulassung (bedingt) hinaus ausgedehnt wird.

Referenz:
APA Science

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