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Dermatologie Immunologie Onkologie Wissenschaft

Zelltransplantation: Mechanismus der Abstoßung identifiziert

Nach einer Stammzelltransplantation im Zuge einer Leukämie mit vorangegangener Chemotherapie und Bestrahlung kommt es häufig zu teils schweren, entzündlichen Nebenwirkungen – insbesondere in der Haut oder im Darm. Die Ursache dafür war bisher ungeklärt. Nun haben österreichische Forschungsinstitute einen Mechanismus im Immunsystem identifiziert, der dafür mitverantwortlich ist. 

Sie konnten nachweisen, dass es sogenannte gewebsständige und inaktive T-Zellen im eigenen Immunsystem gibt, die die Chemotherapie und Bestrahlung unbeschadet überstehen und noch über zehn weitere Jahre zwischen und unter den Epithelzellen der Haut überleben, während die zirkulierenden T-Zellen zerstört werden: „wir konnten zeigen, dass überlebende T-Zellen im Gewebe der Haut für die entzündlichen Reaktionen nach einer Stammzelltransplantation verantwortlich sind. Diese Phänomene treten binnen der ersten 100 Tage auf und können von leichten Ekzemen bis hin zu einer flächigen Fibrose, also zur Gewebeverhärtung, oder Blasenbildung auf der Hautoberfläche führen. Das heißt, die eigenen T-Zellen richten sich in negativer Weise nach der Transplantation gegen den Empfänger.“ Die Erkrankung nennt man im Fachjargon auch „Spender-gegen-Empfänger-Reaktion (GvHD)“, hier konnte nun erstmals auch eine umgekehrte „Empfänger-gegen-Spender-Reaktion“ nachgewiesen werden. Zudem gab es Fälle, in denen die vom Spender erhaltenen Zellen diese Reaktion noch „unterstützten“ und damit verstärkten. 

Die Erkenntnisse könnten künftig in neue therapeutische Strategien münden, die helfen, die unerwünschte Reaktionen nach einer Transplantation zu verringern und darüber hinaus für andere chronisch-entzündliche Erkrankungen der Haut, wie Schuppenflechte oder Neurodermitis, zu neuen therapeutischen Ansätzen führen. 

Referenzen: MedUni Wien, CeMM, LBI-RUD
Long-term skin-resident memory T cells proliferate in situ and are involved in human graftversus-host disease; Science Trans Med 2020; DOI: 10.1126/scitranslmed.abb7028.

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Dermatologie Technologie Wissenschaft

Elektronische Haut kann auf Schmerz reagieren

Australischen Forschern ist ein Durchbruch bei der Entwicklung eines künstlichen Haut-Ersatzes gelungen. Sie haben eine elektronische „Haut“ entwickelt, die wie echte Haut auf Schmerzen reagiert und diese auch mit der gleichen Geschwindigkeit wie menschliche Zellen weiterleitet. Die neue Haut könnte als Alternative zu Hauttransplantaten zur Verfügung stehen und den Einsatz von intelligenter Prothetik und Robotik entscheidend vorantreiben.

Bisher konnte keine Technologie das menschliche Schmerzgefühl realistisch nachahmen. Das neue Material reagiert jedoch sofort, wenn Druck, Hitze oder Kälte eine schmerzhafte Schwelle erreichen. „Es bedeutet, dass unsere künstliche Haut den Unterschied zwischen dem sanften Berühren einer Nadel mit dem Finger oder dem versehentlichen Stechen selbst erkennt,“ so das Team um Prof. Madhu Bhaskaran: „eine kritische Unterscheidung, die auf elektronischem Wege noch nie erreicht wurde“.

Für ihr System haben die Techniker drei eigene vorangegangene Erfindungen die bereits zum Patent angemeldet sind kombiniert: sehr dünne, dehnbare Elektronik; temperaturreaktive Beschichtungen und elektronische Speicherzellen, die die Art und Weise imitieren, wie das Gehirn das Langzeitgedächtnis nutzt, um vorhergehende Informationen abzurufen und zu speichern.

Referenzen:

RMIT University, Melbourne; National Institute of Cardiovascular Diseases, BangladeshArtificial Somatosensors: Feedback receptors for electronic skins; Advanced Intelligent Systems 1.9.2020; https://doi.org/10.1002/aisy.202000094

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Dermatologie Therapie

Erste Injektion gegen Cellulite zugelassen

Cellulite betrifft mehr als 90% aller postpubertären Frauen. Das Vorhandensein von Cellulite ist mit Veränderungen der Hautdicke sowie der Fettzellen und des Bindegewebes unter der Haut verbunden, was zu Grübchen auf der Oberfläche führt.

Die Food and Drug Administration (FDA) hat nun die erste injizierbare Behandlung (collagenase clostridium histolyticum-aaes) für mittelschwere bis schwere Cellulite im Gesäß erwachsener Frauen zugelassen.

Das injizierbare Mittel kombiniert zwei Kollagenasen, AUX-I und AUX-II, die gereinigte Enzyme sind und auf natürliche Weise vom Bakterium Clostridium histolyticum produziert werden. Die Injektion soll zu einer Glättung der Haut und zu einem verbesserten Erscheinungsbild von Cellulite beitragen. Als häufigste Nebenwirkungen werden Blutergüsse an der Injektionsstelle, Schmerzen, Härtebereiche, Juckreiz, Rötung, Verfärbung, Schwellung und Wärme im Behandlungsbereich angeführt.
Die Injektion wird voraussichtlich ab Frühjahr 2021 in den USA erhältlich sein.

Referenz:
https://www.dermatologytimes.com/view/first-injectable-for-cellulite-approved-by-fda

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Dermatologie Therapie Wissenschaft

Biologischer Wirkstoff als Therapieoption bei Kontaktekzemen

Forscher der MedUni Wien untersuchten mittels eines Mausmodells und ex vivo-Kulturen von menschlicher Haut die Wirksamkeit der biologischen Substanz APOSEC bei Kontaktekzemen, da in früheren präklinischen Studien bereits nachgewiesen werden konnte, dass der körpereigene Wirkstoff antibakteriell wirkt, die Neubildung von Gefäßen induziert und die Wundheilung fördert.

In der aktuellen Studie wurde festgestellt, dass deutlich weniger entzündliche Reaktionen auftraten, weil APOSEC offenbar die dendritischen Zellen beeinflusst. Er verhindert ihre Differenzierung und Ausreifung, wodurch die Zellen deutlich weniger Antigene aufnehmen und damit die allergische Reaktion entscheidend verringert wird.

Die vielversprechenden Resultate könnten alternative Therapieoptionen von Hauterkrankungen ermöglichen. Als nächster Schritt sollen klinische Studien für inflammatorische Hauterkrankungen initiiert werden, da eine Anwendung auch für atopische Ekzeme, Psoriasis oder die komplexe Graft-versus-Host-Reaktion nach Transplantationen aussichtsreich scheint.

Referenzen:
EBioMedicine
https://www.thelancet.com/…/eb…/PIIS2352-3964(20)30149-3.pdf
Medizinische Universität Wien
https://www.ots.at/…/kontaktekzeme-der-haut-neue-therapiefo…

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Dermatologie Therapie Wissenschaft

Antihistaminika als Therapieoption bei Hautkrebs?

Eine neue Studie der Universität Lund zeigt, dass Antihistaminika das Überleben von Patienten, die an einem bösartigem Melanom erkrankt sind möglicherweise verbessern können.

In der Studie untersuchten die Forscher die Verwendung von sechs Antihistaminika bei Patienten, bei denen ein schwerer Hautkrebs diagnostiziert wurde. Sie beobachteten ein verbessertes Überleben und eine Risikoreduktion bei zwei der angewendeten Substanzen. Die Verwendung der anderen Antihistaminika zeigte keinen signifikanten Überlebenseffekt.

Das Forschungsteam plant nun Tierversuche und randomisierte Studien, um die Mechanismen hinter der Wirkung, die geeignete Dosis und die optimale Behandlungsdauer zu verstehen.

Referenzen:
Allergy, 4 March 2020
https://doi.org/10.1111/all.14273
Lund University​, Sweden
https://www.lunduniversity.lu.se/article/antihistamines-may-help-patients-with-malignant-melanoma

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