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Diagnostik Wissenschaft

Diagnose mittels Ohrenschmalz?

Ein Test, bei dem Ohrenschmalz zur Messung des Stresshormons Cortisol verwendet wird, könnte „die Diagnostik und Versorgung von Millionen von Menschen mit Depressionen oder stressbedingten Erkrankungen verändern“, behaupten die Verfasser einer eben veröffentlichten Studie. Bisherige Methoden haben den Nachteil, dass sie nicht den chronischen Cortisonspiegel einer Person bestimmen, sondern nur Momentaufnahmen des sich ständig ändernden Hormonspiegels. Darüber hinaus können Probenentnahmemethoden selbst Stress verursachen und die Ergebnisse beeinflussen.

Zur Ohrenschmalzentnahme verwendeten die Forscher ein speziell für diesen Zweck entwickeltes Wattestächen mit Bremsfunktion, das nicht zu weit in das Ohr eindringen und von den Patienten selbst verwendet werden kann. Im Vergleich zu Haar- und Blutproben erwies sich die neue Ohrabstrich Technik als effektiver, zuverlässiger und kostengünstiger als herkömmliche Nachweisverfahren. An der Pilotstudie mit 37 Studienteilnehmern waren Forscher aus Großbritannien und Chile beteiligt.

Im nächsten Schritt wird bereits untersucht, ob das „Gerät“ auch zur Messung des Glukosespiegels aus Ohrschmalzproben (zur Überwachung von Diabetes) oder möglicherweise sogar zur Messung von Covid-19-Antikörpern verwendet werden kann.

Referenzen: University College London; Universidad Catoloica del Norte; Chile, Kings College London
Measuring Earwax Cortisol Concentration using a non-stressful sampling method, Helyon Nov. 2020; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2405844020319678

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Diagnostik Onkologie Wissenschaft

Tätowierfarben zur Krebserkennung

Farbstoffe aus der Tintenkollektion von Tätowierern könnten nach neuen Forschungsergebnissen der USC Viterbi der Schlüssel zur Verbesserung der Krebserkennung sein.

Cristina Zavaleta und ihr Team haben neue bildgebende Kontrastmittel entwickelt, bei denen gängige Farbstoffe wie Tätowierungstinte und Lebensmittelfarbstoffe verwendet werden. Bindet man diese an tumorspezifische Nanopartikel, können Krebserkrankungen durch diese „optischen Tinten“ besser dargestellt werden, sodass Mediziner leichter zwischen Krebszellen und normalen Gewebe unterscheiden können. Durch den empfindlicheren Bildkontrast lassen sich Tumore auch einfacher lokalisieren. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass diese Pigmente von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) bereits zugelassen sind und relativ rasch in der Klinik eingesetzt werden könnten.

Die Idee kam der Forscherin beim Besuch des Pixar-Studios. „Ich habe darüber nachgedacht, ob diese wirklich hochpigmentierten Farben, wie sie von Künstlern verwendet werden, interessante optische Eigenschaften haben“. Die Idee führte sie danach in ein Tattoo-Studio, in dem sie sich mit handelsüblichen Tinten eindeckte. Nachfolgende Untersuchungen im Raman-Scanner zeigten die erstaunlichen spektralen Fingerabdrücke der Pigmente. Die Partikel wiesen zudem eine bestimmte Größe auf, die es ihnen ermöglicht, passiv in Tumore einzudringen. Gleichzeitig sind sie groß genug, um im Tumor auch zurückgehalten zu werden und damit für eine gewisse Zeit erkennbar bleiben.

Referenzen:
USC Viterbi https://viterbischool.usc.edu/news/2020/08/using-tattoo-ink-to-find-cancer

A colorful approach towards developing new nano-based imaging contrast agents for improved cancer detection, Biomaterial Science; https://doi.org/10.1039/D0BM01099E

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Biotechnologie Diagnostik Genetik Onkologie Wissenschaft

Bluttest erkennt Krebs Jahre vor Diagnose

Ein internationales Forscherteam hat einen Bluttest entwickelt, mit dem bereits bis zu vier Jahre bevor eine Krebserkrankung mit aktuellen Methoden diagnostiziert werden kann, festgestellt werden kann, ob eine Person eine von fünf häufigen Krebsarten (Magen-, Speiseröhren-, Darm-, Lungen- oder Leberkrebs) hat. Der als PanSeer bezeichnete Test entdeckte Krebs in 88% der Proben von Personen, die bei der Probenentnahme noch asymptomatisch waren und die ihre Krebsdiagnose erst Jahre später erhielten.

Das Forscherteam rund um den Biotechnologen Kun Zhang von der University of California in San Diego nutzte dazu künstliche Intelligenz um im Blut nach krebstypischen Erbgutsequenzen und eigenetischen Markierungen (Methylierungsmuster) zu suchen. Analysiert wurden Daten, die im Rahmen einer großen chinesischen Langzeitstudie (Taizhou Longitudinal Study) verwendet wurden.

Die Forscher betonen auch, dass der Test noch nicht in der Lage ist, genau vorherzusagen, welche Patienten später an Krebs erkranken werden (die Spezifität des Tests betrug 96%, das heisst, vier Prozent der Proben waren falsch positiv.) Zum derzeitigen Zeitpunkt eignet sich der Test deshalb noch nicht für eine routinemässige Blutuntersuchung. Der Ansatz ist nur dazu geeignet, Patienten zu identifizieren, die bereits Tumoren entwickelt haben, die mit heutigen Nachweismethoden unentdeckt bleiben. Hilfreich ist der Test damit besonders für Menschen, die etwa erblich bedingt ein hohes Krebsrisiko aufweisen.

Referenzen:
University of California, San Diego; Fudan University, Shanghai; UC San Diego Jacobs School of Engineering
Chen X et al.: Non-invasive early detection of cancer four years before conventional diagnosis using a blood test, Nature Communications 2020, published 21. July;
DOI https://doi.org/10.1038/s41467-020-17316-z

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