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Geriatrie Immunologie Wissenschaft

Gen hält Immunsystem jung

Eine Erbanlage mit dem kryptischen Kürzel CRELD1, die bei der Entwicklung des Herzens im entstehenden Kind eine Rolle spielt, scheint auch im menschlichen Immunsystem eine Schlüsselfunktion zu übernehmen. Wenn das Gen nicht aktiv genug ist, kommt es demnach zu charakteristischen Umstellungen der Immunabwehr, wodurch sie an Schlagkraft einbüßt. Mediziner sprechen von einer Alterung des Immunsystems, da sich in älteren Menschen oft ein ähnlicher Effekt beobachten lässt. Mittelfristig könnten die Ergebnisse eventuell dazu beitragen, diese altersbedingten Einbußen zu verringern.

Bei der Analyse von Transkription-Daten von insgesamt 4.500 Probanden stießen die Forscher auf einen überraschenden Zusammenhang: Unter den analysierten Versuchspersonen waren auch solche, in denen das CRELD1-Gen aus irgendwelchen Gründen deutlich schwächer aktiv war. Interessanterweise fanden sich im Blut dieser Probanden nur sehr wenige der sogenannten T-Zellen. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen.

In Mausexperimenten untersuchten die Forscher diesen Zusammenhang weiter und zeigten, dass Mäuse ohne dem Gen früher starben. Dieses Phänomen, auch Immunoseneszenz genannt, beobachtet man auch bei älteren Menschen. Die Betroffenen sind deutlich anfälliger für Infektionen, aber möglicherweise auch für altersbedingte Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer. Gleichzeitig gibt es Hundertjährige, die immunologisch gesehen einige Jahrzehnte jünger sind.
Langfristiges Ziel ist es nun, die Aktivität des Gens zu erhalten. So ließe sich vielleicht das Erkrankungsrisiko von Seniorinnen und Senioren deutlich senken.

Referenzen: Uni Bonn, Radbound University Nijmegen, Universität Lüttich, Medizinische Hochschule Hannover, Helmholtz-Zentrum Braunschweig
CRELD1 modulates homeostasis of the immune system in mice and humans. Nature Immunology 9.11.2020; https://www.nature.com/articles/s41590-020-00811-2

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Geriatrie Therapie Wissenschaft

Kraftvolle Muskeln auch im Alter

Mit steigender Lebenserwartung nehmen auch typische Alterskrankheiten wie die Sarkopenie, der übermässige Muskelverlust, zu. Wie sich diese Alterserscheinung medikamentös aufhalten lässt, haben nun Forscher der Universität Basel beschrieben. 

Die Sarkopenie betrifft etwa jeden Dritten der über 80jährigen und schränkt die Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von einem veränderten Muskelstoffwechsel bis hin zum Verlust von Nervenzellen, die Muskel stimulieren. Forscher um Prof. Markus Rüegg haben nun herausgefunden, dass der Proteinkomplex mTORC1 eine Rolle bei der Sarkopenie spielt und dass dessen Hemmung durch das bereits bekannte Immunsuppressivum Rapamycin den altersbedingten Muskelabbau verlangsamt. So wirkt sich die Langzeitbehandlung positiv auf die Alterung der Skelettmuskulatur bei Mäusen aus. Auch die Verbindung zwischen Nervenzellen und Muskelfasern liessen sich mit Rapamycin stabilisieren.

Um weltweit untersuchen zu können, wie sich die Genexpression in der Skelettmuskulatur mit zunehmenden Alter oder nach einer Rapamycinbehandlung verändert, wurde das Tool SarcoAtlas entwickelt, dessen Anwendung von sciCore, dem Center for Scientific Computing der Universität Basel unterstützt wird. Da es derzeit keine wirksame Therapie zur Behandlung der Sarkopenie gibt, könnte der neue Wirkstoff letztendlich dazu beitragen, die Lebensqualität und Selbstständigkeit älterer Menschen länger zu bewahren.

Referenzen:
Universität Basel https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Muskeln-Laenger-kraftvoll-auch-im-Alter.html?pk_campaign=MM_20200909_Muskeln

The neuromuscular junction is a focal point of mTORC1 signaling in sarcopenia, Nature Communications (2020), https://doi.org/10.1038/s41467-020-15592-3

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Geriatrie Onkologie Wissenschaft

Erhöhtes Progressionsrisiko mit ASS bei älteren Krebspatienten

Eine kürzlich durchgeführte klinische Studie mit über 19.000 Probanden kam zum Ergebnis, dass ASS bei älteren Erwachsenen mit fortgeschrittener Krebserkrankung, das Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit erhöht und früher zum Tod führen kann.

Klinische Studien, an denen vorrangig Erwachsene mittleren Alters teilnahmen, zeigten, dass ASS das Risiko für die Entstehung von Krebs, insbesondere für Darmkrebs, verringern kann. In Bezug auf ältere Erwachsene gab es bisher jedoch zu wenig Informationen, weshalb die Forscher die ASS-Studie zur Reduzierung von Ereignissen bei älteren Menschen (ASPREE – ASS in Reducing Events in the Elderly) initiierten.
„Die Todesfälle bei ASS-Patienten, bei denen fortgeschrittene solide Krebserkrankungen diagnostiziert wurden, waren besonders hoch, was auf eine mögliche nachteilige Wirkung von ASS auf das Wachstum von Krebserkrankungen hinweist, wenn sie sich bereits entwickelt haben“, erläutert Studienleiter Dr. Chan. Er fügte hinzu, dass die Ergebnisse die Möglichkeit nahe legen, dass ASS bei älteren Menschen auf zellulärer oder molekularer Ebene anders als bei jungen Personen wirkt, was weitere Untersuchungen erfordert.

Referenzen:
Massachusetts General Hospital
https://www.massgeneral.org/news/press-release/aspirin-accelerates-progression-advanced-cancers-older-adults
Originalpublikation: Effect of aspirin on cancer incidence and mortality in older adults
JNCI: Journal of the National Cancer Institute, djaa114, https://doi.org/10.1093/jnci/djaa114

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Geriatrie Wissenschaft

COVID-19: Mehr Wissen, weniger Stress

Der einfachste Weg die Angst vor der Pandemie zu besiegen, besteht darin, sich mit Fakten statt mit fake news zu beschäftigen. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher anhand einer Untersuchung an Personen zwischen 20 und 79 Jahren. Der mit der Erkrankung verbundene Stress, so die Wissenschaftler, steigt mit steigendem Lebensalter. Darauf kann man sich aber mittels „proaktivem Coping“ vorbereiten.

Für die Studie wurden 515 Personen zu Ihrem Stress-Level und Ängste während der Pandemie befragt. Die Analyse bestätigte einmal mehr, dass Wissen Macht bedeutet: je mehr Tatsacheninformationen vor allem ältere Menschen über COVID-19 hatten, umso weniger gestresst waren sie. Diese simple Intervention half aber auch jüngeren Altersgruppen.

Referenzen:
Georgia University, North Carolina University
Pearman A et al.: Age Differences in Risk and Resilience Factors in COVID-19-Related Stress; The Journals of Gerontology: Series B, gbaa120, https://doi.org/10.1093/geronb/gbaa120

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Alleinlebende haben erhöhtes Demenzrisiko

Bei alleinlebenden Personen über 55 Jahren erhöht sich das Demenzrisiko um etwa 30% gegenüber Menschen, die ihren Haushalt zumindest mit einer weiteren Person teilen. Die soziale Isolation stellt damit einen noch grösseren Risikofaktor dar, als bisher vermutet. Gleichzeitig, so Studienautor Dr. Roopal Desai, nimmt die Zahl alleinlebender Personen und die damit verbundene Vereinsamung zu.

Analysiert wurden die Daten von über 21.000 Personen aus 12 Studien, die entweder in Europa oder Asien durchgeführt wurden. Das Single-Leben erwies sich dabei als ein gewichtigerer Risikofaktor als körperliche Inaktivität, Bluthochdruck oder Übergewicht. Als Ursache werden Einsamkeit, Stress und das mögliche Fehlen von kognitiven Anreizen angeführt. Nachdem die Gründe des Alleinlebens nicht untersucht wurden, argumentieren die Autoren weiter, könnten auch Faktoren wie der Verlust eines Partners, eine Rolle spielen.

Referenzen:
University College London
Desai R et al.: Living alone and risk of dementia: A systematic review and meta-analysis Aging Research Reviews, 10. July 2020,
https://doi.org/10.1016/j.arr.2020.101122

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