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Hypnose nimmt Angst auf der Intensivstation

Wer intensivmedizinische Hilfe in Anspruch nehmen muss, leidet nicht nur unter den physischen Symptomen der Krankheit, sondern häufig auch unter enormer Angst. Schmerzen, Kontrollverlust, Todesangst und die ungewohnte, sterile Umgebung verursachen Stress und sogar Depressivität. Hypnose kann die Folgeschäden der Stresserfahrung deutlich reduzieren, belegen Untersuchungen von deutschen Psychologinnen.

In ihrer Studie konzentrierten sie sich besonders auf Erkrankte, die nicht-invasiv – also mit einer Atemmaske – beatmet werden müssen. Diesen ungewohnten Vorgang nehmen Patienten sehr häufig als bedrohlich, unangenehm und stressauslösend wahr. Nach der nur 15 Minuten andauernden Intervention während der Beatmung stellten die Jenaer Wissenschaftlerinnen fest, dass der Stress der Patienten signifikant reduziert, ihr Wohlbefinden verbessert und physiologische Werte wie Atemfrequenz und Herzrate positiv beeinflusst waren. Die Psychologinnen nutzten auch das besondere Umfeld der Intensivstation und deuteten störende Reize positiv um. So sind piepsende Monitore keine angsteinflößenden Geräusche mehr, sondern Zeichen dafür, dass sich hier sehr gut um die Patienten gekümmert wird und alles dafür getan wird, damit sie so schnell wie möglich wieder gesund werden.

Um in der aktuellen Corona-Situation Intensivstationen zu unterstützen und Patienten die suggestive Therapie per Kopfhörer zukommen zu lassen, wurde der verwendete Text freigegeben. Ungarische Forscher erzielten damit bereits sehr gute Ergebnisse. So konnten sie etwa die Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation und der künstlichen Beatmung dank der Suggestion verkürzen. Dies, obwohl die Probanden den Text nur vom Band hörten.

Referenz:
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Universitätsklinikum Jena
Hypnotic suggestions of safety improve well-being in non-invasively ventilated patients in the intensive care unit: results of a pilot study, Intensive Care Medicine 2021, https://link.springer.com/article/10.1007/s00134-021-06364-8

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Notfallmedizin Wissenschaft

Wenn Tote wieder auferstehen

Das als „Lazarus-Phänomen“ bekannte Ereignis, dass Patienten bei denen nach einer Wiederbelebung durch Notfallmediziner keine Lebenszeichen mehr vorhanden sind, plötzlich, Minuten später und ohne Zutun von aussen, wieder Lebenszeichen von sich geben, haben laut publizierten Umfragen bereits 40-50% der Intensivmediziner erlebt.

Ein internationales Team aus Notfallmedizinern des University Hospitals Morecambe Bay Trust (UK), des Universitätsspitals Lausanne (CH), des Bozner Forschungszentrums Eurac Research (I) und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (A) hat nun zum ersten Mal alle in der medizinischen Fachliteratur publizierten Fälle – 65 seit 1982 – systematisch analysiert. Die Fälle beziehen sich nicht auf eine Wiederbelebung durch Laien.

Von den untersuchten Fällen hat ein Drittel den Kreislaufstillstand überlebt, 82 Prozent davon ohne neurologischem Dauerschaden. „Auch wenn es wenige scheinen, sind die Konsequenzen doch beträchtlich, wenn man an das medizinische Personal, die Angehörigen, die rechtlichen Konsequenzen und die tägliche Anzahl der Patienten denkt, die Wiederbelebungsmaßnahmen benötigen“, meinen die Autoren und schlagen eine Reihe von Empfehlungen vor. Die Wichtigste: Nach Beenden einer Herz-Lungen-Wiederbelebung soll ein Patient noch mindestens zehn Minuten mithilfe eines Elektrokardiagramms beobachet und überwacht werden. Denn bei den 65 dokumentierten Fällen traten die Lebenszeichen im Durchschnitt nach fünf Minuten auf, die meisten innerhalb von zehn Minuten.

Referenzen:
University Hospitals of Morecambe Bay NHS Foundation Trust, Universität Lausanne, Eurac Research, Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg

Autoresuscitation (Lazarus phenomenon) after termination of cardiopulmonary resuscitation – a scoping review, Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Resuscitation; 2020, 28 DOI: https://sjtrem.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13049-019-0685-4

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