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Psychologie

Covid-19: Jeder für sich hilft auch!

Eine deutsche Untersuchung zur Corona-Pandemie offenbart: Menschen kümmern sich zunächst um die eigene Sicherheit, bevor sie andere schützen. „Überraschend für uns war, dass sogar für prosoziale Menschen, also Menschen die gern mit anderen kooperieren und versuchen eine faire Lösung zu finden, der Schutz anderer Personen zweitrangig ist“, so Erstautor Johannes Leder, Universität Bamberg.

„Menschen sind motiviert, Maßnahmen umzusetzen, die vor allem sie selbst schützen und wenig aufwendig sind, zum Beispiel, Hände zu waschen“, fasst Leder zusammen. Aus diesem Ergebnis leitet er ab: „Personen, die in der Politik, der Forschung und im Gesundheitswesen tätig sind, sollten in Interviews daher den Selbstschutz-Aspekt stärker betonen. Dann würden vermutlich mehr Menschen die Maßnahmen umsetzen. Im Endeffekt ist damit allen geholfen. 

Durchgeführt wurden zwei Online-Befragungen: eine mit 419 Personen fand im März während des Lockdowns statt, die zweite mit 253 Personen nach dem Lockdown im Mai und Juni 2020. Insgesamt beobachtete das Forschungsteam, dass die Schutzmaßnahmen zu Beginn des Lockdowns häufig als wirksam wahrgenommen und genützt wurden. Danach wurden etwa die Gesichtsmasken nur mehr genutzt, weil sie verfügbar waren und wenn sie als wirksam eingestuft  wurden. Der zu Beginn glimpfliche Verlauf der Pandemie hat auch dazu geführt, dass Social Distancing nicht mehr eingehalten wurde. Weiters zeigte sich, dass persönliche Erfahrungen den Umgang mit der Pandemie stark beeinflussten. Wer eine Person kannte, die an der Krankheit gestorben war, schützte sich und andere häufiger. Insofern ist es in der öffentlichen Kommunikation auch wichtig, über Schicksale von Betroffenen zu informieren, meinen die Autoren.

Referenzen:Universität Bamberg
Social value orientation, subjective effectiveness, perceived cost, and the use of protective measures during the COVID-19 pandemic in Germany. Comprehensive Results in Social Psychology; https://doi.org/10.1080/23743603.2020.1828850

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Genetik Psychologie Wissenschaft

Kindheitstrauma: Zellveränderungen werden nicht weitervererbt

Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit haben nicht nur psychische Folgen für die Betroffenen. Sie können auch zu biologischen Veränderungen im Stoffwechsel führen, die sich auf die Nachkommen auswirken. Forschende der Universitäten Ulm und Innsbruck haben nun untersucht, wie sich belastende Kindheitserfahrungen auf den mitochondrialen Energiestoffwechsel der Immunzellen von Müttern auswirken. Außerdem wollten sie wissen, ob sich solche bioenergetischen Veränderungen in den „Kraftwerken“ der Zellen auch bei den Kindern nachweisen lassen. 

Das Ergebnis dieser Untersuchung war für die Forschenden ermutigend: „Die biologischen Veränderungen in der zellulären Energieproduktion ließen sich zwar für Mütter mit Missbrauchs- und Misshandlungserfahrungen nachweisen, aber nicht für deren Kinder,“ fasst Prof. Iris-Tatjana Kolassa, Leiterin der Abteilung für Klinische & Biologische Psychologie an der Universität Ulm, die Resultate der Untersuchung zusammen. Möglicherweise greifen hier biologische Resilienzfaktoren, die sich protektiv auf die Mitochondrien in den Immunzellen der Kinder auswirken. Diese Untersuchungen müssen nun auf Stichproben mit klinisch-relevantem Schweregrad erweitert werden, um auch hier eine gesundheitliche Belastung der Kinder durch die Mutter ausschließen zu können“, so Dr. Alexander Karabatsiakis, Universität Innsbruck. 

Referenzen:

Universität Ulm, Universität Innsbruck

Childhood maltreatment is associated with changes in mitochondrial bioenergetics in maternal, but not in neonatal immune cells. PNAS,Oct 2020 https://doi.org/10.1073/pnas.2005885117

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Psychologie Wissenschaft

Kannibalen verschonen ihre Verwandten

Makaber und doch wissenschaftlich belegt: eine neue Studie von Marlies Oostland und Michael Brecht von der Princeton University und der Humboldt-Universität zu Berlin ergab, dass Kannibalen nur selten Blutsverwandte essen. Das ist eine Eigenheit die auch bei kannibalischen Tieren beobachtet wurde. Ebenso wie diese erbrechen sich auch Kannibalen, während sie ihre Mordopfer essen. Die Autoren schließen daraus, dass eine innere Abscheu dem Verspeisen von Verwandten entgegenwirkt, wobei es schon bemerkenswert erscheint, dass auch bei diesen Schwerverbrechern biologische Mechanismen greifen, die enge Verwandte schützen.

In modernen Gesellschaften sind kannibalische Morde extrem selten. Trotzdem konnten die Forscher für die Zeit nach 1900 eine Vielzahl solcher Fälle über Publikationen, Internetrecherchen und Expertenbefragungen dokumentieren. Insgesamt 121 Kannibalen und 631 ihrer Opfer wurden mit Informationen über „gewöhnliche“ Morde aus FBI- Datenbanken verglichen. Es zeigte sich, dass kannibalische Morde eine eigene Verbrechenskategorie darstellen. Diese Morde zeigen charakteristische Eigenheiten bei Methoden, Tätern und Opfern. Kannibalen töten oft mit physischer Gewalt, etwa durch Erstechen, Strangulieren oder Erschlagen, und seltener mit Schusswaffen.Von Kannibalen ausgeführte Morde haben oft einen sexuellen Bezug, Täter sind meist ältere Männer, die jüngere Frauen töten.

Referenzen:

Humboldt-Universität zu Berlin; Princeton University https://www.hu-berlin.de/de/pr/nachrichten/august-2020/nr-20831

Kin-avoidance in cannibalistic homicide; Frontiers of Psychology (2020); https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2020.02161/full

#kannibalismus #psychologie #schwerverbrechen #fbi #verwandtenmord #verbrechen #humboldtuniversität #princetonuniversity #medizin #medimpressions

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Neurologie Psychologie Wissenschaft

Zarte Berührungen steuern Sozialverhalten

Neue Erkenntnisse darüber, wie das Neuropeptid Oxytocin das Sozialverhalten koordiniert, liefert ein internationales Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, Frankreich, Israel und den USA. Oxytocin beeinflusst nicht nur Geburt und Stillzeit, sondern optimiert direkt das Gehirn, um Emotionen, Geschlechtsverkehr, Paarbindung und elterliches Verhalten zu ermöglichen. Wie genau Oxytocin diese prosozialen Verhaltensweisen fördert und was die tatsächliche Freisetzung des Neuropeptids auslöst, blieb jedoch ein Rätsel.

Nun gelang es erstmals elektrophysiologische Aufnahmen einzelner Oxytocin-Neuronen in sich frei bewegenden, weiblichen Ratten zu machen. So konnte nachgewiesen werden, dass sogenannte parvozelluläre Oxytocin-Neuronen, speziell bei körperlicher Berührung aktiviert werden, diese das gesamte Oxytocinsystem ankurbeln und so schlussendlich die Kommunikation zwischen weiblichen Ratten fördern.

Die Ergebnisse bilden die Basis für Therapieansätze, bei denen Oxytocin als wirksames Mittel zur Behandlung von psychischen Störungen eingesetzt werden könnte. Eine Kombination aus sensorischer Körperstimulation (zum Beispiel durch Massage) und Oxytocin-Verabreichung in die Nase könnte krankhafte sozial-emotionale Veränderungen beim Menschen synergistisch abschwächen. Auf diese Weise könnte es Patienten helfen, die von psychischen Erkrankungen wie der Autismus-Spektrum-Störung und posttraumatischer Belastungsstörung betroffen sind.

Referenzen:
Pressemeldung ZI Mannheim
Social touch promotes interfemale communication via activation of parvocellular oxytocin neurons, Nature Neuroscience 27. July 2020;
DOI: https://doi.org/10.1038/s41593-020-0674-y

#oxytocin #sozialverhalten #autismus #ptsd #neuronen #neuropeptid #verhalten #medizin #medimpressions

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Ernährung Genetik Leben Psychologie Wissenschaft

Gene beeinflussen Essverhalten

Inwiefern Essgewohnheiten erlernt werden und welchen Einfluss genetische Prädispositionen auf das Körpergewicht haben, wurde anhand des Datenmaterials aus einer laufenden finnischen Kohortenstudie mit Zwillingen analysiert.

Es stellte sich heraus, dass genetische Risikofaktoren das Gewicht beeinflussen, indem sie das Essverhalten steuern. Das gilt insbesondere für das Verhaltensmuster „Snacking“, das sich durch ein „Überessen“ bzw. „nicht aufhören können“ charakterisiert, sowie dem Naschen zwischen den Mahlzeiten und auch abends. Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung haben es daher deutlich schwerer haben, ihr Gewicht zu halten als jene ohne Prädisposition.

„Diese Ergebnisse sollen nicht entmutigen, sondern aufzeigen, warum es manche Menschen schwerer haben ihr Gewicht zu halten als andere. Keinesfalls sind Gene aber deterministisch. Unsere Gene haben sich über Generationen hinweg kaum bis gar nicht verändert, und dennoch gibt es in Europa immer mehr Menschen mit Übergewicht und Adipositas. Mit einer ausgewogenen Ernährung, körperlicher Bewegung sowie mit ausreichend Schlaf kann man gegen die Genetik ankämpfen. Es gibt Studien, die zeigen, dass Schlafmangel zu hormonellen Veränderungen führt, die den Appetit anregen“, so Ernährungsepidemiologin Leonie-Helen Bogl von der MedUni Wien.

Referenzen:
Medizinische Universität Wien Pressemitteilung , University of Helsinki
American Journal of Clinical Nutrition. Published: 20 July 2020
DOI: https://doi.org/10.1093/ajcn/nqaa181

#ernährung #essverhalten #essgewohnheiten #gene #genetischeprädisposition #genetik #snacking #ungesundessen #meduniwien #medizin #medimpressions

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Kurz nachgefragt Psychologie Wissenschaft

Manche trifft die Corona-Krise härter!

Unter der schwelenden Situation in der wir uns derzeit befinden, leiden fast alle. Bestimmte Bevölkerungsgruppen trifft die Krise dennoch ungleich schwerer. 

Wir haben bei Univ.-Prof. Mag. Dr. Claus Lamm kurz nachgefragt, wer von der Corona-Krise besonders hart betroffen ist, welche Faktoren zu einer besonderen Gefährdung führen, wie Stress reduziert werden kann und was wir aus der Krise lernen können.

Über den Experten:

Univ.-Prof. Mag. Dr. Claus Lamm ist Professor für Biologische Psychologie und Leiter der Social, Cognitive and Affective Neuroscience Unit (SCAN-Unit) an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien.

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Ernährung Leben Psychologie Wissenschaft

Vegetarier sind schlanker und weniger extrovertiert

Eine großangelegte Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Leipzig hat an fast 9.000 Personen untersucht, wie die vegetarische Ernährung mit dem Körper und der Psyche zusammenhängt – unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand.

Dabei zeigte sich: Je seltener tierische Nahrung auf dem Speiseplan einer Person stand, desto geringer war im Schnitt ihr Body-Mass-Index (BMI). Eine Ursache dafür könnte der geringere Konsum an stark verarbeiteten Lebensmitteln wie fett- und zuckerreichen Produkten sein. Zudem enthalten vegetarische Lebensmittel Ballaststoffe, die früher satt machen und sich positiv auf das Mikrobiom im Darm auswirken. Ebenso könnten Lebensstilfaktoren wie mehr Sport und ein höheres Gesundheitsbewusstsein eine entscheidende Rolle für ihr geringeres Körpergewicht spielen.

Die Forscher fanden zudem heraus, dass Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren introvertierter sind als solche, die sich vorrangig von Tierprodukten ernährten. „Woran das liegt, ist schwer zu sagen“, so Veronica Witte vom MPI CBS. „Es könnte daran liegen, dass introvertiertere Personen eher zu restriktiverem Essverhalten neigen oder sich aufgrund ihres Essverhaltens stärker sozial abgrenzen.“ Auch hier müssen weitere Studien dazu folgen, wie sich Menschen mit den Eigenschaften ihrer Ernährung identifizieren.

Referenzen:
Max-Planck-Institut 
https://www.cbs.mpg.de/vegetarier-sind-schlanker-und-weniger-extrovertiert-als-fleischesser
Nutrients 2020, 12(5), 1492; https://doi.org/10.3390/nu12051492

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Neurologie Psychologie Wissenschaft

Achtsamkeitstraining bietet positive Effekte für Menschen mit MS

Neue Forschungsergebnisse einer kleineren Pilotstudie legen nahe, dass Achtsamkeitstraining Menschen mit Multipler Sklerose (MS) bei der Regulierung von negativen Emotionen helfen kann und zur Verbesserung der Verarbeitungsgeschwindigkeit (jene Zeit, die eine Person benötigt, um mentale Aufgaben zu erledigen) beiträgt.

Menschen mit MS, die das vierwöchige Achtsamkeitstraining absolviert hatten, verbesserten sich nicht nur stärker als diejenigen, die nichts taten – sie verbesserten sich auch im Vergleich zu denen, die eine ein adaptives kognitives Training absolvierten.

Beim Achtsamkeitstraining lernten die Teilnehmer in den Sitzungen sich auf die Atmung zu konzentrieren und mentale „Körperscans“ durchzuführen, um zu erfahren, wie sich ihr Körper fühlte.

Das Forscherteam arbeitet nun daran, diese Pilotstudie mit einer größeren Stichprobe zu replizieren.

Referenzen:
Rehabilitation Psychology
https://psycnet.apa.org/record/2020-30288-001

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