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Wie das Gehirn die Schönheit von Landschaften erkennt

Wie wird ein Blick in die Natur zu einem beeindruckenden Erlebnis? Dieser Frage hat sich ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik angenommen und untersucht, wie das Gehirn vom bloßen Sehen einer Landschaft zu deren ästhetischer Wirkung gelangt.

In der Studie präsentierten die Forscher den 24 teilnehmenden Personen Videos von schönen (künstlich kreierten) Landschaftsaufnahmen und maßen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) ihre Gehirnaktivität. „Wir hätten erwartet, dass sich die ästhetischen Signale auf die Belohnungssysteme des Gehirns beschränken würden, aber überraschenderweise fanden wir sie bereits in den visuellen Regionen. Die Aktivierungen fanden direkt neben Bereichen im Gehirn statt, die für die Identifizierung physikalischer Eigenschaften in Filmen zuständig sind, wie beispielsweise das Layout einer Szene oder das Vorhandensein von Bewegung,“ berichtet Erstautorin Ayse Isik.
Seniorautor Edward Vessel vermutet, dass diese Signale eine frühe, elementare Form des Schönheitsempfindens widerspiegeln könnten: „Wenn wir etwas sehen, das unsere Erwartungen übersteigt, erzeugen lokale Bereiche des Gehirns kleine ‚Atome‘ eines positiven Affekts. Die Kombination vieler solcher Überraschungssignale im gesamten visuellen System summiert sich dann zu einer ästhetisch ansprechenden Erfahrung.“

Mit diesen Erkenntnissen leistet die Studie einen Beitrag zu unserem Verständnis von Schönheit und könnte auch erklären, wie Interaktionen mit der natürlichen Umgebung unser Wohlbefinden beeinflussen. Dies könnte für eine Vielzahl von Bereichen relevant sein, in denen die Verbindung von Wahrnehmung und Emotion wichtig ist, wie beispielsweise die klinische Gesundheitsversorgung oder die künstliche Intelligenz.

Referenz:
Max-Planck-Institut, Frankfurt
From Visual Perception to Aesthetic Appeal: Brain Responses to Aesthetically Appealing Natural Landscape Movies, Front. Hum. Neuroscience; https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnhum.2021.676032/full

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Leben Neurologie Neurowissenschaften Psychiatrie Psychologie Wissenschaft

Unser Gehirn reagiert auch auf „falsche“ Gesichter

Unser Gehirn reagiert emotional auf Gesichter, die wir in unbelebten Objekten finden, zeigt eine australische Studie. Ob in einer Wolke, dem Gully-Deckel oder auf einem gerösteten Sandwich: Gesichter in unbelebten Objekten zu sehen ist eine alltägliche Erfahrung und kein Symptom einer Psychose, wie früher angenommen.

Laut Forschern der Universität Sydney ist unser Gehirn nicht nur auf die Erkennung von Gesichtern getrimmt, sondern reagiert auf „fake faces“ auch emotional auf die gleiche Weise wie auf echte menschliche Gesichter. Sogenannte Gesichts-Pareidolien sind im menschlichen Gehirn evolutionär fest verdrahtet und falsche Gesichter werden auch unglaublich schnell erkannt. 

In einer Versuchsanordnung zeigten die Forscher Versuchsteilnehmern eine Reihe von Gesichtern – ein Durcheinander von echten Gesichtern und Pareidolie-Bildern – und ließen die Teilnehmer jeden Gesichtsausdruck auf einer Skala zwischen wütend bis glücklich bewerten. Das Ergebnis: unbelebte Objekte lösten einen ähnlichen emotionalen Priming-Effekt aus wie echte Gesichter. Und ebenso wie bei Fotos von echten Gesichtern zeigten diese einen Einfluss auf die Bewertung nachfolgender Bilder. Wird nämlich ein Bild als attraktiv oder der Gesichtsausdruck als glücklich eingeschätzt, wird auch das nachfolgende Bild als attraktiver bewertet. Dies war auch bei den Pareidolie-Bildern der Fall.

Die Ergebnisse der Studie könnten eventuell dazu beitragen, kognitive Störungen des Gehirns bei der Gesichtserkennung besser zu erklären. Etwa der Prosopagnosie, die es Betroffenen nicht erlaubt, Menschen anhand ihres Gesichts zu erkennen bzw. zu unterscheiden.

Referenz:
University of Sydney
A shared mechanism for facial expression in human faces and face pareidolia, Proceedings of the royal society B, 2021; https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2021.0966

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Allgemeinmedizin Leben Psychologie Wissenschaft

Covid-19: Nadelangst steht Impfungen im Weg

Um die Durchimpfungsraten zu steigern, kommt es auf jede Impfung an. Britische Forscher haben deshalb untersucht, welche Gründe Menschen daran hindern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Eine groß angelegte Studie an über 15 000 Personen belegt nun, dass rund 10% der Impfgegner im Prinzip nichts gegen eine Impfung oder den Impfstoff per se haben, sehr viel jedoch gegen die Handhabung von Injektions-Spritzen.

Bei Menschen mit Injektionsphobie (die überwiegend angeboren ist), führt allein der Anblick von Spritzen zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks, gefolgt von einem plötzlichen Rückgang bei beiden. Ist das der Fall, kann das bei rund der Hälfte der Betroffenen eine Ohnmacht auslösen. Was verständlicherweise dazu führt, dass eine Vakzinierung lange hinausgezögert wird bzw. dass sich Betroffene gar nicht impfen lassen.
Besonders ausgeprägt war die Angst vor Injektionen laut Untersuchung bei jüngeren Personen und Menschen die bestimmten ethnischen Minderheiten angehörten.

Die gute Nachricht für Nadel-Ängstliche lautet: Verhaltens-Therapien können helfen die Angst in den Griff zu kriegen, sind relativ unkompliziert durchzuführen und sehr effektiv. Patienten können auch lernen, die frühen Anzeichen eines Blutdruckabfalls zu erkennen und diesem durch eine Muskelentspannung entgegenzuwirken. Hilfe bieten auch Impfungen in Form von Nasensprays. An der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs in Sprayform wird bereits gearbeitet.

Referenz:
University of Oxford
Injection fears and COVID-19 vaccine hesitancy; Psychological Medicine 2012; https://www.cambridge.org/core/journals/psychological-medicine/article/injection-fears-and-covid19-vaccine-hesitancy/A70D5D859CC25804B7AC4FB3AD54F68D

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Leben Neurowissenschaften Psychologie Wissenschaft

„Ohrwürmer“ beeinträchtigen Schlafqualität

Die meisten Menschen hören tagsüber und oft kurz vor dem Schlafengehen Musik, um sich zu entspannen. Klingt logisch, ist aber vielleicht doch keine gute Idee. Der Meinung ist zumindest Schlafforscher Michael Scullin von der Baylor University, Texas; der jüngst untersuchte, wie sich Musikhören auf die Schlafqualität auswirkt.

Er fand heraus, dass gerade „Ohrwürmer“ (Lieder, die sich im Kopf einer Person einnisten und immer wieder abgespielt werden), die häufig im Wachzustand auftreten, auch beim Ein- und Durchschlafen Probleme bereiten. Dabei gilt: je höher der Musikkonsum, desto wahrscheinlicher die Chance auf eine „Ohrwurminfektion“.
Überraschenderweise fand die Studie, die an über 200 Personen durchgeführt wurde, auch heraus, dass reine Instrumentalmusik doppelt so häufig zu Ohrwürmern führt und die Schlafqualität stört als die gesungene Version einer Musikproduktion. So erwies sich beispielsweise der Song „Call me maybe“ mit Carly Ray Jepsen als weit verträglicher als die Instrumentalversion des Music-Hits. Interessant war auch der Befund, dass fast alle Teilnehmer davon ausgingen, dass Musik ihren Schlaf verbessert. Die im Schlaflabor durchgeführten EEG-Messungen bezeugten jedoch das Gegenteil.

Eine Möglichkeit Ohrwürmer loszuwerden, so der Forscher, besteht darin sich vor dem zu Bett gehen mit anderen Dingen, die vollständige Konzentration benötigen, zu beschäftigen. Etwa To do-Listen für den nächsten Tag zu verfassen.

Referenz:
Baylor University
Bedtime Music, Involuntary Musical Imagery, and Sleep, Psychological Science 2021; https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797621989724

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Diagnostik Genetik Leben Psychiatrie Psychologie Wissenschaft

Studie findet Biomarker für Depression

Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere meist unterschätzten Erkrankungen. Trotz umfangreicher Forschung ist bisher nicht wirklich verstanden, was biologisch während einer Depression abläuft. Neue Ansätze zum Verständnis der Krankheitsmechanismen liefert die Metabolomik, bei der die Produkte (Metabolite) von Stoffwechselreaktionen untersucht werden.

„Es ist quasi der „metabolische Fingerabdruck“ des körperlichen Zustands und bietet neue Einblicke in Krankheitsmechanismen oder den weiteren Krankheitsverlauf“, erklärt Helena Zacharias von der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).
Um metabolische Faktoren zu identifizieren, die mit Depressionen verknüpft sind, hat die Wissenschaftlerin in Zusammenarbeit mit anderen Forschungsgruppen das Blutmetabolom von Personen mit und ohne Depressionen verglichen. Im Ergebnis zeigten sich bei Menschen mit Depression im Vergleich zu Gesunden signifikant niedrigere Spiegel des Metaboliten Laurylcarnitin. Dieses Molekül war bisher nicht als wichtiger Akteur bei Depression bekannt.

Die erniedrigten Konzentrationen dieses Metaboliten im Blut könnten auf eine beeinträchtigte Fettsäureoxidation oder eine Störung der Mitochondrienfunktion (dienen unter anderem der Energiegewinnung der Zellen) hinweisen und stellen möglicherweise ein neues therapeutisches Ziel bei Depression dar. Auch könnte aufbauend auf den Ergebnissen ein diagnostischer Marker für Depressionen entwickelt werden.

Referenz:
CAU, Kiel; TU München; Helmholtz Zentrum München; Uni Greifswald
A metabolome-wide association study in the general population reveals decreased levels of serum laurylcarnitine in people with depression, Mol Psychiatry 2021;  https://www.nature.com/articles/s41380-021-01176-0

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Leben Psychologie Wissenschaft

Gefühle: weniger intensiv wird besser verstanden

Wer unverhofft (und nur ungern) auf Spinnen trifft und in dieser Situation Angst und Abscheu emotionsgeladen ausdrückt, wird in aller Regel verstanden. Je höher die Intensität des Gefühls, desto leichter fällt es, sie zu interpretieren. So weit, so logisch. Mit dieser Annahme liegen wir aber falsch, meint nun ein internationales Forscherteam. Zwischen der Intensität von Gefühlsausdrücken und ihrer Wahrnehmung besteht ein anderer, paradoxer Zusammenhang.

In ihrer Untersuchung sammelten die Forscher eine Vielzahl nonverbaler Laute, wie Schreien, Lachen, Seufzen, Ächzten oder Stöhnen. Alle drückten verschiedene positive und negative Emotionen aus, die in ihrer Stärke von minimal bis maximal intensiv variierten. Anschließend untersuchten sie, wie sich die Wahrnehmung dieser Laute je nach emotionaler Intensität bei ZuhörerInnen veränderte.

Das überraschende Ergebnis: Tatsächlich verbesserte sich die Wahrnehmung von Emotionen mit steigender Emotionsintensität zunächst. Je stärker die Intensität jedoch, desto weniger stieg die Wahrnehmung an. Bei extrem starken Emotionen sank sie sogar drastisch. Die intensivsten Gefühle waren die missverständlichsten von allen.

Im Fall extrem intensiver Gefühle können einzelne Emotionen nicht sicher unterschieden werden. Auch lässt sich nicht mit Gewissheit einordnen, ob das Gefühl eher positiv oder negativ ist. Trotzdem sind die Signale nicht bedeutungslos: Sowohl die Intensität selbst als auch der Erregungszustand werden gleichbleibend deutlich wahrgenommen. In Extremsituationen scheint es also wichtiger zu sein die Dringlichkeit zu erkennen und alarmiert zu sein, als die nuancierte emotionale Bedeutung zu verstehen.

Referenz:
Max-Planck-Institut für eGempirische Ästhetik, Frankfurt; Max Planck NYU
The paradoxical role of emotion intensity in the perception of vocal affect, Scientific Reports 2021; https://www.nature.com/articles/s41598-021-88431-0

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Diagnostik Epigenetik Genetik Neurologie Psychiatrie Psychologie Wissenschaft

Bipolare Störungen: Welchen Einfluss haben Gene?

Um herauszufinden welche genetischen Faktoren zur Entstehung von bipolaren Störungen beitragen, haben 320 Forschende weltweit mehr als 40.000 Betroffene und 370.000 Kontrollen untersucht. Als Risikofaktoren für die „manische Depression“ gelten frühkindliche traumatische Erfahrungen, ein stressiger Lebensstil oder der Konsum bestimmter Drogen. Zu einem überwiegenden Teil ist die bipolare Störung jedoch eine Frage der Gene: Auf 60 bis 85 Prozent schätzen Experten den Beitrag der Erbanlagen und vermutlich sind Hunderte von Genen beteiligt.

Nachdem die Forscher die DNA ihrer Probanden verglichen, konnten sie insgesamt 64 Genorte identifizieren, die mit der Erkrankung in Verbindung stehen, wovon 33 bisher unbekannt waren. Diese Gene enthalten oft Bauanleitungen für sogenannte Ionen-Kanäle, die für die Entstehung elektrischer Pulse im Gehirn wichtig sind, der Aktionspotenziale. In den Fokus der Forschung rücken nun insbesondere Kalziumkanäle. Da es bereits Medikamente gibt, die die Funktion dieser Kanäle beeinflussen, bieten sich diese als eine neuen Therapie-Option an.

Die Daten erlauben es auch, besser zwischen verschiedenen Formen der Erkrankung zu differenzieren. Eine häufig sehr schwer verlaufende Form der bipolaren Störung, Typ I genannt, hängt auf genetischer Ebene stärker mit der Schizophrenie zusammen. Eine etwas „milder“ verlaufende Variante, Typ II, scheint dagegen eher mit der Depression verwandt zu sein.“ Die Forscher stießen auch auf weitere interessante Zusammenhänge: So scheint Rauchen das Risiko für eine bipolare Störung signifikant zu erhöhen und auch der Alkoholkonsum spielt eine Rolle. Die Zusammenhänge zwischen Verhaltensweisen und bipolarer Störung müssen aber noch in weiteren, großen Studien untersucht werden.

Referenz:
Icahn School of Medicine, NY; Universität Bonn, Oslo University…
Genome-wide association study of more than 40,000 bipolar disorder cases provides new insights into the underlying biology, Nature Genetics 2021, https://www.nature.com/articles/s41588-021-00857-4

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Leben Psychologie Wissenschaft

Erfolg beeinflusst die Persönlichkeit

Persönlichkeitseigenschaften bestimmen nicht nur den Berufserfolg, sondern Erfolg verändert auch die Persönlichkeit. Wie, das analysierte eine schweizerische Studie anhand von Daten über 4700 berufstätigen Erwachsenen, die über einen Zeitraum von acht Jahren dreimal zu Berufserfolg und Persönlichkeit abgefragt wurden.

Berufserfolg wurde anhand des erreichten beruflichen Prestiges und des erzielten Einkommens gemessen. Die Persönlichkeit wurde anhand der grundlegenden Persönlichkeitseigenschaften Emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit erfasst – den „Big Five“ der Persönlichkeitspsychologie. 

Die Auswertung zeigte, dass beruflich erfolgreichere Personen über die Zeit emotional stabiler und offener für Erfahrungen, aber weniger extravertiert wurden. „Der Berufserfolg ging also einher mit mehr emotionaler Entspanntheit, besserem Umgang mit Stress und weniger Sorgenmachen,“ so Andreas Hirschi, Erstautor der Studie. Zudem wurden beruflich erfolgreichere Personen mit der Zeit offener im Denken und aktiver in ihrer Vorstellungskraft. Zugleich wurden sie distanzierter sowie weniger gesprächig und gesellig.Es wurden keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder Altersgruppen gefunden.

Einschränkend gilt, dass die gefundenen Effekte relativ klein waren. Jedoch könnten auch relativ kleine Veränderungen in diesen Persönlichkeitseigenschaften einen bedeutsamen langfristigen Effekt auf das Leben eines Menschen haben. So zeigt die Forschung etwa, dass Personen mit größerer emotionaler Stabilität eine geringere Sterblichkeitswahrscheinlichkeit aufweisen. „Die Ergebnisse unserer Studie sind auch aussagekräftig, weil sie auf einer großen bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe beruhen, die über einen relativ langen Zeitraum begleitet wurde,“ meint Co-Autor Ulrich Orth.

Referenz:
Universität Bern
Does success change people? Examining objective career success as a precursor for personality development, Journal of Vocational Behavior 2021, https://doi.org/10.1016/j.jvb.2021.103582

#psychologie #erfolg #beruf #persönlichkeit #veraenderung #extraversion #medizin #medimpressions

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Verschwörungstheoretiker leiden nicht unbedingt an einer Denkverzerrung

Verschwörungstheorien scheinen im Laufe der Covid-19-Pandemie an Beliebtheit zu gewinnen. Doch wie stark stimmen Menschen ihnen tatsächlich zu, und wie hängt das mit Denkverzerrungen zusammen? Ein Forschungsteam der Universität Basel hat dies anhand einer repräsentativen anonymen Online-Umfrage mit über 1600 Personen in der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland untersucht.

Im Durchschnitt stimmten knapp 10 Prozent aller Befragten einer Verschwörungsaussage stark, weitere 20 Prozent wenig oder mäßig und ungefähr 70 Prozent gar nicht zu. Den größten Anklang fanden Aussagen, die nahelegten, dass das Virus menschengemacht oder die offizielle Erklärung zu der Ursache des Virus anzuzweifeln sei.

Teilnehmende, die stärker zustimmten, waren im Durchschnitt jünger, gestresster und berichteten über mehr Paranoia-ähnliche Erfahrungen, wiesen eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau auf. Die Zustimmungswerte unterschieden sich nicht zwischen Geschlechtern. Die Forschungsergebnisse zeigen auch, dass die Impfakzeptanz in der Schweiz geringer ist als in anderen westeuropäischen Ländern.

Mit der Zustimmung zu Verschwörungstheorien gingen Besonderheiten in Denkprozessen einher. So wurden Schlussfolgerungen vorschneller und unter größerer Unsicherheit getroffen. Dabei zeigte sich aber, dass nicht alle Befürworter so denken, eine Untergruppe der Befragten zog ihre Schlussfolgerungen eher vorsichtig, analytisch und adaptiv. Ergebnisse, die die Forscher überraschten. Fazit der Untersucher: „Dies mahnt einerseits zur Vorsicht bei Pauschalisierungen über die Anhängerschaft von Verschwörungstheorien, andererseits birgt es aus Forschungsperspektive auch das Potenzial, in Zukunft die kognitiven Mechanismen von Verschwörungstheorien noch genauer zu untersuchen.“

Referenz:
Universität Basel
Coronavirus conspiracy beliefs in the German-speaking general population: endorsement rates and links to reasoning biases and paranoia, Psychological Medicine (2021), doi: 10.1017/ S0033291721001124

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Nichtrauchen macht glücklich!

Ein in der Cochrane Library veröffentlichter systematischer Review zeigt, dass der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht nur gut für den Körper, sondern auch gut für die Seele ist. Der Review fasst die Ergebnisse von 102 Beobachtungsstudien mit über 169.500 Personen zusammen. Die Autoren kombinierten die Ergebnisse von 63 dieser Studien, die Veränderungen der psychischen Gesundheitssymptome bei Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, mit Veränderungen bei Personen, die weiterhin rauchten, kombinierten. Außerdem verglichen sie die Ergebnisse von 10 Studien, in denen erfasst wurde, wie viele Personen während der Studie eine psychische Störung entwickelten. Die Dauer der Nachbeobachtung variierte, wobei die kürzeste Studie 6 Wochen betrug, einige Studien aber auch bis zu 6 Jahre lang durchgeführt wurden.

Manche Menschen glauben, dass Rauchen Stress und andere psychische Symptome reduziert und dass ein Rauchstopp deshalb ihre psychischen Probleme verschlimmern könnte. Zudem machen sich einige Raucher Sorgen, dass ein Rauchstopp negative Auswirkungen auf ihr Sozialleben und ihre Freundschaften haben könnte.

Der Review ergab dagegen, dass Menschen, die mindestens 6 Wochen lang mit dem Rauchen aufhörten, weniger Depressionen, Ängste und Stress erlebten als Menschen, die weiter rauchten. Sie erlebten auch mehr positive Gefühle und ein besseres psychisches Wohlbefinden. Das Aufgeben des Rauchens hatte keinen Einfluss auf die Qualität der sozialen Beziehungen. Es ist sogar möglich, dass der Rauchstopp mit einer kleinen Verbesserung des sozialen Wohlbefindens verbunden ist.
Der Nutzen der Rauchentwöhnung scheint bei verschiedenen Gruppen ähnlich zu sein und verschlechtert sich auch nicht bei Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Referenz:
University of Bath, Birmingham, Oxford; New York University
Smoking cessation for improving mental health, Cochrane Database of Systematic Reviews 2021; https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013522.pub2/full/de

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