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Leben Psychologie Wissenschaft

Erfolg beeinflusst die Persönlichkeit

Persönlichkeitseigenschaften bestimmen nicht nur den Berufserfolg, sondern Erfolg verändert auch die Persönlichkeit. Wie, das analysierte eine schweizerische Studie anhand von Daten über 4700 berufstätigen Erwachsenen, die über einen Zeitraum von acht Jahren dreimal zu Berufserfolg und Persönlichkeit abgefragt wurden.

Berufserfolg wurde anhand des erreichten beruflichen Prestiges und des erzielten Einkommens gemessen. Die Persönlichkeit wurde anhand der grundlegenden Persönlichkeitseigenschaften Emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit erfasst – den „Big Five“ der Persönlichkeitspsychologie. 

Die Auswertung zeigte, dass beruflich erfolgreichere Personen über die Zeit emotional stabiler und offener für Erfahrungen, aber weniger extravertiert wurden. „Der Berufserfolg ging also einher mit mehr emotionaler Entspanntheit, besserem Umgang mit Stress und weniger Sorgenmachen,“ so Andreas Hirschi, Erstautor der Studie. Zudem wurden beruflich erfolgreichere Personen mit der Zeit offener im Denken und aktiver in ihrer Vorstellungskraft. Zugleich wurden sie distanzierter sowie weniger gesprächig und gesellig.Es wurden keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder Altersgruppen gefunden.

Einschränkend gilt, dass die gefundenen Effekte relativ klein waren. Jedoch könnten auch relativ kleine Veränderungen in diesen Persönlichkeitseigenschaften einen bedeutsamen langfristigen Effekt auf das Leben eines Menschen haben. So zeigt die Forschung etwa, dass Personen mit größerer emotionaler Stabilität eine geringere Sterblichkeitswahrscheinlichkeit aufweisen. „Die Ergebnisse unserer Studie sind auch aussagekräftig, weil sie auf einer großen bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe beruhen, die über einen relativ langen Zeitraum begleitet wurde,“ meint Co-Autor Ulrich Orth.

Referenz:
Universität Bern
Does success change people? Examining objective career success as a precursor for personality development, Journal of Vocational Behavior 2021, https://doi.org/10.1016/j.jvb.2021.103582

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Allgemeinmedizin Neurologie Psychologie Wissenschaft

Verschwörungstheoretiker leiden nicht unbedingt an einer Denkverzerrung

Verschwörungstheorien scheinen im Laufe der Covid-19-Pandemie an Beliebtheit zu gewinnen. Doch wie stark stimmen Menschen ihnen tatsächlich zu, und wie hängt das mit Denkverzerrungen zusammen? Ein Forschungsteam der Universität Basel hat dies anhand einer repräsentativen anonymen Online-Umfrage mit über 1600 Personen in der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland untersucht.

Im Durchschnitt stimmten knapp 10 Prozent aller Befragten einer Verschwörungsaussage stark, weitere 20 Prozent wenig oder mäßig und ungefähr 70 Prozent gar nicht zu. Den größten Anklang fanden Aussagen, die nahelegten, dass das Virus menschengemacht oder die offizielle Erklärung zu der Ursache des Virus anzuzweifeln sei.

Teilnehmende, die stärker zustimmten, waren im Durchschnitt jünger, gestresster und berichteten über mehr Paranoia-ähnliche Erfahrungen, wiesen eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau auf. Die Zustimmungswerte unterschieden sich nicht zwischen Geschlechtern. Die Forschungsergebnisse zeigen auch, dass die Impfakzeptanz in der Schweiz geringer ist als in anderen westeuropäischen Ländern.

Mit der Zustimmung zu Verschwörungstheorien gingen Besonderheiten in Denkprozessen einher. So wurden Schlussfolgerungen vorschneller und unter größerer Unsicherheit getroffen. Dabei zeigte sich aber, dass nicht alle Befürworter so denken, eine Untergruppe der Befragten zog ihre Schlussfolgerungen eher vorsichtig, analytisch und adaptiv. Ergebnisse, die die Forscher überraschten. Fazit der Untersucher: „Dies mahnt einerseits zur Vorsicht bei Pauschalisierungen über die Anhängerschaft von Verschwörungstheorien, andererseits birgt es aus Forschungsperspektive auch das Potenzial, in Zukunft die kognitiven Mechanismen von Verschwörungstheorien noch genauer zu untersuchen.“

Referenz:
Universität Basel
Coronavirus conspiracy beliefs in the German-speaking general population: endorsement rates and links to reasoning biases and paranoia, Psychological Medicine (2021), doi: 10.1017/ S0033291721001124

#verschwörungstheorie #konspiration #covid #pandemie #denkverzerrung #denkprozess #bildung #medizin #medimpressions

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Allgemeinmedizin Interne Medizin Psychiatrie Psychologie Wissenschaft

Nichtrauchen macht glücklich!

Ein in der Cochrane Library veröffentlichter systematischer Review zeigt, dass der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht nur gut für den Körper, sondern auch gut für die Seele ist. Der Review fasst die Ergebnisse von 102 Beobachtungsstudien mit über 169.500 Personen zusammen. Die Autoren kombinierten die Ergebnisse von 63 dieser Studien, die Veränderungen der psychischen Gesundheitssymptome bei Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, mit Veränderungen bei Personen, die weiterhin rauchten, kombinierten. Außerdem verglichen sie die Ergebnisse von 10 Studien, in denen erfasst wurde, wie viele Personen während der Studie eine psychische Störung entwickelten. Die Dauer der Nachbeobachtung variierte, wobei die kürzeste Studie 6 Wochen betrug, einige Studien aber auch bis zu 6 Jahre lang durchgeführt wurden.

Manche Menschen glauben, dass Rauchen Stress und andere psychische Symptome reduziert und dass ein Rauchstopp deshalb ihre psychischen Probleme verschlimmern könnte. Zudem machen sich einige Raucher Sorgen, dass ein Rauchstopp negative Auswirkungen auf ihr Sozialleben und ihre Freundschaften haben könnte.

Der Review ergab dagegen, dass Menschen, die mindestens 6 Wochen lang mit dem Rauchen aufhörten, weniger Depressionen, Ängste und Stress erlebten als Menschen, die weiter rauchten. Sie erlebten auch mehr positive Gefühle und ein besseres psychisches Wohlbefinden. Das Aufgeben des Rauchens hatte keinen Einfluss auf die Qualität der sozialen Beziehungen. Es ist sogar möglich, dass der Rauchstopp mit einer kleinen Verbesserung des sozialen Wohlbefindens verbunden ist.
Der Nutzen der Rauchentwöhnung scheint bei verschiedenen Gruppen ähnlich zu sein und verschlechtert sich auch nicht bei Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Referenz:
University of Bath, Birmingham, Oxford; New York University
Smoking cessation for improving mental health, Cochrane Database of Systematic Reviews 2021; https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013522.pub2/full/de

#rauchstopp #rauchen #gesundheit #psyche #depression #angst #stress #medizin #medimpressions

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Allgemeinmedizin Leben Psychologie Therapie Wissenschaft

„Gangart“ verrät die Stimmung

Zeige mir wie du gehst – und ich sage dir, wie du dich fühlst. Ungefähr so lässt sich das Ergebnis einer rezenten Untersuchung zusammenfassen, die verschiedene Gangmuster im alltäglichen Leben zwischen depressiven Personen und gesunden Probanden miteinander verglich.


Dabei haben die Forscher Gang und Stimmung über zwei Tage mit tragbaren Messgeräten erfasst und eine Stichprobe von 35 akut depressiven Patientinnen und 36 gesunden Personen analysiert. Im Vergleich zu den Gesunden liefen die depressiven Personen langsamer, gebeugter und mit weniger Dynamik in der Auf- und Abbewegung des Körpers.
Außerdem zeigte sich bei Depressiven wie bei Gesunden, dass die Art des Gehens die Stimmung vorhersagen konnte: Wenn Personen innerhalb einer Stunde schneller und dynamischer gegangen waren, zeigte sich eine Verbesserung der positiven Stimmung in diesem Zeitraum. Auswirkungen des Gangmusters auf die negative Stimmung konnten allerdings nicht beobachtet werden. „Aber wir haben ja auch erst einmal nur die kurzfristen Auswirkungen des Gangmusters untersucht,“ bilanziert Untersuchungsleiter Johannes Michalak, Universität Witten/Herdecke die Ergebnisse.

Zweitautor Dirk Adolph, Ruhr-Universität Bochum dazu: „Die Befunde passen gut zu den Ergebnissen vieler Laborstudien, in denen sich gezeigt hat, dass Körperhaltungen und Bewegungsmuster sich auf die Stimmung auswirken. Außerdem könnten diese Befunde der Ausgangspunkt dafür sein, neue Behandlungsformern für Depressionen zu entwickeln. Hierfür sind aber weitergehende Untersuchungen notwendig, um zu überprüfen, ob solche Behandlungen auch wirklich langfristig zu einer Reduktion der depressiven Symptomatik beitragen können.“

Referenz:
Universität Witten/Herdecke; Ruhr-Universität Bochum
Gait patterns and mood in everyday life: A comparison between depressed patients and non‐depressed controls, Cognitive Therapy and Research 2021, https://link.springer.com/article/10.1007/s10608-021-10215-7

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Leben Psychologie Wissenschaft

Placebos wirken auch bei bewusster Einnahme

Als Scheinmedikamente ohne pharmakologische Wirkstoffe kommen Placebos in klinischen Studien häufig als Vergleichsgröße zum Einsatz. Dass sie überraschend starke Effekte erzielen können, selbst wenn die Studienteilnehmer das Placebo wissentlich einnehmen, konnten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg nun wissenschaftlich belegen.

„Die bewusste Einnahme eines Placebos mag zwar etwas verrückt erscheinen, aber sie hat in diesen Studien gewirkt – und damit die gezielte Täuschung der Patienten unnötig gemacht“, so Stefan Schmidt, Leiter der Sektion Systemische Gesundheitsforschung an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Um die Wirkung offen verabreichter Placebos wissenschaftlich zu belegen, verglich das Forschungsteam in einer systematischen Übersichtsarbeit 13 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 834 Patienten. Die in den einzelnen Studien behandelten Diagnosen reichten von Rückenschmerzen und Reizdarmsyndrom über Depression, Fatigue und ADHS bis zu Heuschnupfen und Hitzewallungen. Den Patienten war offen mitgeteilt worden, dass sie ein Placebo erhalten. Zudem wurden sie über die prinzipielle Wirkung von Placebos informiert und um die regelmäßige Einnahme der Tabletten gebeten.

Die Metaanalyse der Studien belegte laut Schmidt die erstaunliche Wirkung: „Wir konnten erstmals wissenschaftlich gesichert zeigen, dass auch offen verabreichte Placebos wirksam sein können.“ Sollten offen verabreichte Placebos auch im Klinikalltag Anwendung finden, könnten sie anstelle der gezielten Täuschung zusätzliche Offenheit in die Beziehung zwischen Behandler und Patient bringen. Dazu braucht es allerdings weitere und größer angelegte Studien, die sich gezielt diesem Thema und Fragen wie etwa der Rolle der Erwartungshaltung des Patienten widmen.

Referenz:
Universität Freiburg
Effects of open-label placebos in clinical trials: a systematic review and meta-analysis; Nature Scientific Reports 2021; https://www.nature.com/articles/s41598-021-83148-6

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Neurowissenschaften Psychiatrie Psychologie Wissenschaft

Neuer Wirkmechanismus von Antidepressiva

WissenschaftlerInnnen des Universitätsklinikums Freiburg haben gemeinsam mit internationalen Kollegen nachgewiesen, dass Antidepressiva bei Nervenzellen an einer bislang unbekannten Stelle andocken und so ihre stimmungsaufhellende Wirkung entfalten. Indem sie auf den Nervenzellen an den Rezeptor des sogenannten Brain derived neurotrophic Factor (BDNF) binden, kommt es zu einer verbesserten Aktivität in Hirnregionen, die bei depressiven Patienten beeinträchtigt sind.

„Mit dem BDNF-Rezeptor als Andockstelle können wir erstmals direkt erklären, wie Antidepressiva wirken und warum es so lange dauert, bis die Wirkung einsetzt“, erklärt Forschungsleiter Claus Normann. Bisher ging man davon aus, dass sie über eine Erhöhung des Botenstoffes Serotonin im Gehirn wirken; es blieb jedoch völlig unklar, wie das genau funktioniert. Das ändert sich jetzt mit der Studie.

Durch die Bindung an das Wachstumshormon BDNF kommt es zu einer verbesserten Aktivität in Hirnregionen, die bei depressiven Patienten beeinträchtigt sind. Das gilt für unterschiedliche Arten von Antidepressiva wie Selektive Serontonin-Wideraufnahmehemmer (SSRI) oder Ketamin. Über die Stimulation des BDNF greifen Antidepressiva in einen zentralen Lern- und Anpassungsmechanismus des Gehirns ein, der als synaptische Plastizität bezeichnet wird.  Normann: „Interessanterweise benötigt diese Bindungsstelle einen normalen Cholesterinspiegel, um optimal aktiv werden zu können.“ Zu hohe, aber auch zu niedrige Cholesterinspiegel verformen den BDNF-Rezeptor, so dass Wirkstoffe schlechter binden. Diese Erkenntnisse tragen sehr zum Verständnis der Depression und zur Entwicklung neuer Medikamente bei. Durch eine zielgerichtete Therapie könnten sich hier neue Perspektiven für eine nebenwirkungsärmere und effektivere Behandlung ergeben.

Referenz:
Universität Freiburg; University of Helsinki; University of BergenAntidepressants act by directly binding to TRKB neurotrophin receptors, Cell 18.2.2021;
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0092867421000775

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Leben Psychologie Wissenschaft

Corona: Bedenken und Befürchtungen

In der aktuellen Auswertung der Studie ,,Wissen und Einstellungen zu Corona“, die von Manuel Schabus, Universität Salzburg, initiiert wurde, flossen die Daten von insgesamt 3.606 erwachsenen Personen ein. Als größte Befürchtung wird aktuell wahrgenommen, dass ein naher Angehöriger erkrankt (68,2%), die wirtschaftlichen Schäden (46,3%) und die Einschränkung der Meinungsfreiheit bzw. Grundrechte (45%). Am seltensten genannt wurde die Befürchtung, tatsächlich selbst an ,,Corona“ zu sterben (15,2%).

Fast 90% der Teilnehmenden fühlen sich inzwischen durch die Corona-bedingten Maßnahmen sehr (60,2%) oder zumindest etwas (28,9%) eingeschränkt. Diese Bedenken teilen die meisten Teilnehmenden (81,2%) und hierbei sind alle Altersgruppen gleichmäßig kritisch. Gefühle von Ärger und Unruhe aufgrund des Eindrucks einer nicht objektiven Berichterstattung beschäftigten mehr als Drittel der Teilnehmenden (38,2%) die ganze oder die meiste Zeit.

Am belastendsten wird wahrgenommen, soziale Kontakte nicht mehr pflegen zu können (42,6% Freunde nicht treffen), Homeschooling bei Eltern (44,9%) und wirtschaftliche Folgen (69,8%). Die Angst Überträger der Krankheit zu sein (17,3%), selbst zu erkranken (5,6%) oder eine Mangelversorgung durch eine etwaige Überbelastung des Gesundheitswesens (15,2%) wird überraschenderweise als weit weniger belastend eingestuft.

Bei der Impfbereitschaft geben 43,9% an, sich auf jeden Fall impfen zu lassen, 30% möchten erst einmal abwarten oder sind noch unentschlossen und 26,1% möchten sich auf keinen Fall impfen lassen. Dass 42,2% der Teilnehmenden von einer Rückkehr zur Normalität erst im Jahr 2022 oder noch später rechnen, zeigt eine alarmierenden Perspektivenlosigkeit in der Bevölkerung. Als hilfreich empfunden wird Zeit in der Natur zu verbringen (76%), Sport und Bewegung (72%) Angehörige oder Freunde zu treffen (68%).

Referenz:
Universität Salzburg
Pressemeldung myScience, 9.2.2021; https://www.myscience.at/news/wire/irrationale_aengste_lebensbedrohlich_an_corona_zu_erkranken-2021-uni-salzburg

#pandemie #aengste #psychologie #corona #umfrage #befuerchtungen #belastung #medizin #medimpressions

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Neurowissenschaften Psychologie Wissenschaft

Gute Freunde sorgen für emotionale Stabilität

Beste Freunde sind in stressigen Situationen von besonders großem Wert, auch wenn diese nicht persönlich anwesend sind. Das konnte Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gemeinsam mit KollegInnen in einer bildgebenden Studie mittels funktioneller Magnetresonanztomographie belegen.

Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen soziale Isolation und Quarantäne an der Tagesordnung stehen, ist es vielen Menschen nicht möglich, ihre besten Freundinnen und Freunde persönlich zu treffen und sich über ihre Ängste, Gefühle und Sorgen des Alltags auszutauschen. Gerade junge Leute kommunizieren – noch mehr in Zeiten von Social Distancing – schriftlich, tauschen sich über Messenger-Apps über Gefühle aus und suchen so auch Hilfe.

„Wir wissen aus zahlreichen anderen Studien, dass Menschen Gefühle durch soziale Nähe besser bewältigen können“, sagt Morawetz. Das Spannende an der aktuellen Studie ist, dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn diese nur „virtuell“ erfolgt, die unterstützend wirkende Person also nicht selbst im Raum anwesend ist. Dabei wird die Hirnaktivierung durch die soziale Nähe zum Unterstützer beeinflusst. „Das heißt, es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen bekommen, oder ob es sich um eine für uns unbekannte Person handelt“, betont Carmen Morawetz.

„Von den ganzen aktivierten Hirnregionen, die an der Abschwächung der Emotionen beteiligt sind, kommt dem Mandelkern (Amygdala) eine besondere Funktion zu; diese ist bei der Hilfe durch Unbekannte stärker aktiviert,“ erklärt Morawetz. Der Einfluss von Freunden wirkt sich hier stabilisierend aus.

Referenz:
Uni Innsbruck, Freie Universität Berlin, Universität Melbourne
With a little help from my friends: the effect of social proximity on emotion regulation-related brain activity; NeuroImage, 30.1.2021; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S105381192100094X?via%3Dihub

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Anthropologie Psychologie Wissenschaft

Social Media liegt in unseren Genen

Freunde und soziale Netzwerke haben den Menschen innovativ und erfolgreich gemacht, sagt Andrea Migliano von der Universität Zürich. Die Anthropologin erforscht traditionelle Gesellschaften, die ähnlich leben wie unsere Vorfahren vor über zehntausend Jahren. Aktuell das Leben der Agta, Jäger und Sammler, die im Dschungel der philippinischen Insel Luzon beheimatet sind.

Um zu überleben, teilen die Agta nicht nur Nahrungsmittel und Dinge, sondern auch ihr Wissen. Nicht über elektronischen Speichersysteme wie wir, sondern indem sie ihr Wissen in Geschichten verpacken. Wichtig für den Wissensaustausch sind auch Besuche, die Mitglieder einer Gruppe anderen Agta-Camps abstatten. „Diese Visiten sind die sozialen Medien der Jäger und Sammler,“ so Migliano, „Dieser Austausch von Knowhow ist die Grundlage für Innovationen, auf denen die kumulative Kultur beruht.“

Diese Fähigkeit zur Innovation unterscheidet uns Menschen deutlich von unseren nächsten evolutionsgeschichtlichen Verwandten – Schimpansen sind nicht sonderlich innovativ und sie betreiben kein Networking. Migliano geht deshalb davon aus, dass gerade soziale Strukturen, die wie bei den Agta aus kleinen miteinander vernetzten Gemeinschaften bestehen, die kulturelle Entwicklung möglich gemacht haben.

Besonders wichtig für Informations- und Innovationsnetzwerke sind Freundschaften. Freunde sind das Schmiermittel für den Wissenstransfer und beflügeln das Wissen von Neuem. Nicht nur im philippinischen Dschungel, wo Freundschaften schon früh in Spielgruppen von Gleichaltrigen geknüpft werden, aber auch bei uns in den Städten der Spätmoderne. Heute ermöglichen soziale Medien wie Facebook oder Twitter, Informationen in individuellen Netzwerken unter „Freunden“ auszutauschen. Und Online-Crowds schließen das Knowhow von unzähligen Menschen zusammen, um bestimmte Aufgaben zu lösen.

Referenz
Universität Zürich
Pressemeldung UZH Zürich 3.2.2021; Social Media der Jäger und Sammler; https://www.news.uzh.ch/de/articles/2021/social-media-der-jaeger-und-sammler.html

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Psychologie Wissenschaft

Viel Geld – viel Glück und Zufriedenheit

„Ab einem gewissen Einkommen, bei etwa 50 000 bis 60 000 Euro, spielt Reichtum keine große Rolle mehr“, zu diesem Schluss kamen Forschende und Ökonomen bisher. Dem widerspricht jetzt eine amerikanische Studie. Sie besagt, dass nicht nur die allgemeine Lebenszufriedenheit, sondern auch das tägliche Wohlbefinden mit steigenden Kontozahlen  weiter ansteigt.

Der Psychologe Matthew Killingsworth von der University of Pennsylvania befragte für die neue Untersuchung mehr als 33 000 erwerbstätige Erwachsene in den USA an zufälligen Zeitpunkten des Tages via App: „Wie fühlen Sie sich gerade?“. Mit dem Ergebnis, dass Reichtum offenbar doch glücklicher macht als bisher angenommen. Der Hauptgrund dafür scheint zu sein, dass reiche Menschen eher das Gefühl haben, mehr Kontrolle über ihr Leben ausüben zu können. Für dieses Gefühl gibt es auch keinen oberen Grenzwert. Oder der Grenzwert liegt doch um einiges höher als bisher angenommen.

Der deutsche Glücksforscher Jan Delhey, Universität Magdeburg ist vorsichtig, die Befunde auf Europa zu übertragen. Dennoch weist auch eine weitere deutsche Studie darauf hin, dass Millionäre in Deutschland die größte allgemeine Lebenszufriedenheit haben. Allerdings, so Delhey, ist es nicht nur wichtig, wie viel Geld man habe, sondern auch, wofür man es ausgibt: „Hier zeigt die Forschung, dass Erlebnisse glücklicher machen als Güter, weil sie sich weniger abnutzen und durch Vergleiche nicht so leicht entwertet werden können.“ Ebenso macht es glücklich, wenn man Geld nicht nur für sich, sondern auch für andere ausgibt. Und im Einzelfall finden sich ja sowohl kreuzunglückliche Hocheinkommensbezieher als auch Menschen mit geringerem Einkommen und hohem Wohlbefinden.

Referenzen:
University of Pennsylvania, Universität Magdeburg
Pressemitteilung APA 21.1.21; https://science.apa.at/power-search/11111212686031687383
Originalpublikation: Experienced well-being rises with income, even above $75,000 per year, PNAS Jan 26.2021; https://www.pnas.org/content/118/4/e2016976118/tab-article-info

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