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Malariaerreger nutzt „molekularen Dietrich“

Um seinen Lebenszyklus vollständig durchlaufen und sich effektiv vermehren und ausbreiten zu können, befällt der Malariaparasit Plasmodium Zellen sowohl im Moskito als auch im Menschen: Er dringt in die Speicheldrüsenzellen der Mücke ein, um dann, wenn diese einen Menschen sticht, mit dem Speichel der Mücke in die Haut zu gelangen. Von dort aus wandert er in Blutgefäße, lässt sich mit dem Blutstrom in die Leber transportieren und infiziert dort wiederum Leberzellen. Wie Plasmodium die richtigen Zelltypen in zwei so verschiedenen Arten wie Mücke und Mensch erkennt und gezielt infiziert, ist bisher noch wenig verstanden.

Wissenschaftler um Professor Dr. Friedrich Frischknecht vom Zentrum für Infektiologie, Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg haben nun herausgefunden, dass ein Protein namens TRAP den Parasiten den Zutritt zu verschiedenen Zelltypen ermöglicht. Es funktioniert sogar dann, wenn es von den Forschern verändert zusammengesetzt wurde und erfüllt damit die Funktion eines „molekularen Dietrichs“. Damit kann der Parasit sämtliche Zellen „knacken“ und „infizieren“ während andere Parasiten jeweils nur einen „Schlüssel“ parat haben.

Therapeutisch nutzen lässt sich das neue Wissen derzeit nicht. „Aber ein fundiertes Verständnis der Infektionsmechanismen und Schwachstellen von Plasmodium wird uns in der Bekämpfung der Malaria weiterbringen“, hofft der Parasitologe Frischknecht. Bislang gibt es trotz langjähriger, intensiver Forschung noch keinen zuverlässigen Impfschutz gegen die weit verbreitete Tropenkrankheit.

Referenzen:
UniversitätsKlinikum Heidelberg
Klug D et al.: Evolutionarily distant I domains can functionally replace the essential ligand-binding domain of Plasmodium TRAP, eLife, July 10. 2020; https://doi.org/10.7554/elife.57572

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Fotocredit: Canva